Dienstag, 20. Oktober 2009

Tandem


Katrin war so lieb, uns diese Einladung weiterzuleiten. Wir hielten es sofort für eine tolle Idee, nur nicht für uns, da unser Khmer einfach noch zu dürftig ist. Trotzdem entschieden wir einfach mal vorbei zuschauen. Wir waren wie immer viel zu früh. Gleich am Eingang wurden wir mit einem "Guten Tag" begrüßt und das von einem Kambodschaner - Staunen Nr.1! Jeder interessierte erhielt einen Aufkleber mit seinem Namen und der Angabe, welche Sprache er lernen möchte wie viel er schon kann und was man offeriert, wie zum Beispiel "Lernpartner". Der Initiatorin, Eva, die hier in Phnom Penh versucht das Goetheinstitut zu etablieren, boten wir an, bei Bedarf zu unterrichten. Wobei es nicht unbedingt Deutsch sein muss. Gerade Angebote für Kinder werden immer wieder gesucht und sie hat zu wenig Personal.
Wir konnten beobachten, dass der nette Herr vom Eingang ziemlich gut Deutsch kann. Es war auch gar nicht schwer, mit ihm in Kontakt zu treten. Er heißt Rithy und studiert Medizin. Sein Deutsch hat er bei einem einjährigen Deutschlandaufenthalt zu Studienzwecken gelernt. Er war total begeistert von unserer Heimat und auf unseren Einwand hin, da ist es doch aber so kalt, antwortete er, dass er die Kälte liebt - Staunen Nr.2! Nach und nach füllte sich die Dachterasse und Staunen Nr.3! vorallem mit Kambodschanern. Viele von ihnen verfügten über solide Deutschkenntnisse und arbeiten manchmal als Reiseleiter. So wie zum Beispiel Samnang, die von 1985 - 1990 in Deutschland (DDR) Ernährungswissenschaften studierte. Als heute 45jährige hatte sie auch die Pol-Pot-Zeit miterlebt und erzählte ohne Scheu (das war das erste Mal, dass ein Einheimischer uns so davon berichtet) von ihren Erfahrungen - Staunen Nr.4! Jedoch völlig überrascht waren wir, als wir feststellten, dass sehr viele sehr junge Kambodschaner anwesend waren. Mit 2 jungen Menschen kamen wir ins Gespräch. Die junge Frau, 22, studiert Psychologie und möchte gern in Deutschland studieren. Ihr Begleiter, 18, hat gerade die Schule beendet und interessiert sich für ein Medizinstudium. Beide hatten im Privatunterricht Deutsch gelernt und sprachen recht gut. Es war überhaupt nicht schwer einen Lernpartner zu finden. Wir tauschten Telefonnummern und Visitenkarten. Mit Rithy, dem netten Khmer vom Eingang, verabredeten wir ein Lerntandem. Er verspricht sich daraus so gut deutsch zu lernen, dass er ein eigenes Wörterbuch "Deutsch-Khmer, Khmer-Deutsch" herausgeben kann, welches es tatsächlich nicht auf dem Markt gibt. Große Pläne! Und wir wollen Khmer sprechen und verstehen lernen.

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