Einen tollen Familienausflug hatten wir für den Samstag geplant und dann ist Marie krank geworden. Doch sie meinte in erster Linie Ruhe zu brauchen und wenn wir ihr noch ein paar tolle Filme besorgen, dann hält sie es den Nachmittag ohne uns aus. In unserem DVD-Shop deckten wir uns also mit den neuesten, den spannendsten uund den romantischsten Filmen ein. Die Auswahl ist gigantisch, aber kein einziger ist original und man muss hoffen, dass er läuft und vollständig ist. Dafür kostet die DVD auch nur 1,50$. Wir brieten noch ein paar Bouletten, packten Crackers und Wasser ein und machten uns mit dem erstbesten Tuk-Tuk auf den Weg. Mit Katrin, Tobi, Theo einem riesigen Verpflegungsvorrat und natürlich tollem Wetter schifften wir uns bei einem der vielen Kähne ein, die an der Riverfront am Tonle Sap lagen. Und wieder einmal ist hier alles anders, als wir es gewöhnt sind. Viele verschieden große Ausflugsboote liegen bereit, aber keine Fahrgäste weit und breit. Man chartert hier einfach das ganze Boot samt Besatzung, die auch darauf wohnt (wozu benötigt man auch eine Wohnung, wenn man so ein großes Boot besitzt?) für sich. Wir wählten eins aus, das unseren "Sicherheitsvorstellungen" entsprach,

nämlich mit einer Reling versehen war, die kleinen Knirpsen Bewegungsfreiheit ermöglicht, ohne das sie gleich über Bord gehen. Schnell wurde man sich handelseinig, 10$ die Stunde, und nachdem ein großer Kanister Treibstoff, eine Eisbox und ein riesiger Eisblock an Bord geholt waren legte das Boot ab.

Gemächlich fuhren wir den Tonle Sap hinab, um dann am Zusammenfluss der beiden großen Ströme in den Mekong zu wechseln. In der Regenzeit führen diese Flüsse ein vielfaches mehr an Wasser, das nicht nur Leben bedeutet. Welch große Kraft der Mekong ausübt, konnten wir sehr gut erkennen, als wir das gegenüberliegende Ufer erreichten. Der Fluss fraß sich immer tiefer in das Land hinein. teilweise waren 3m tief grundstücksbegrenzende Mauern bereits weggebrochen und Bananenplantagen regelrecht abgesoffen.

Das Ufer ist nicht befestigt und zur Trockenzeit ist es ein Steilufer 3-4m hoch, in dem die Schwalben nisten. Unvorstellbar. So mancher Hausbesitzer musste bereits aufgeben, wie wir eindrucksvoll sehen konnten. Die Strömung wirbelt die Sedimente auf, so dass zu dieser Jahreszeit ein Badestopp ausgeschlossen ist. Ja, ja ihr habt richtig gelesen. Im Mekong kann man durchaus baden gehen und wir haben uns das für die Trockenzeit auch vorgenommen. Einheimische baden natürlich auch jetzt, aus Spaß

oder um Feuerholz zu sammeln, das in großen Mengen am Ufer angeschwemmt wird. Und da ist jeder Uferbereich aufgeteilt. Es verblüfft uns immer wieder, wie sichtbar die Gegensätze hier sind. Da steht eine Villa mit englischem Rasen und Blumenpracht direkt neben Wellblechhütten. Auf einem alten Kahn werden Waren direkt auf dem Fluss feilgeboten und der reiche Kambodschaner vergnügt sich mit Jetskifahren.
Während wir an all diesen Attraktionen vorbeigleiten vertilgen wir unseren Proviant

und halten den jüngsten Schiffsgast bei Laune. Stopp am Seidendorf.

Hier wird die Seide zu Schals, Läufern oder einfach Stoffen verwebt. Die Webstühle scheinen direkt aus dem Mittelalter importiert zu sein.

Fasziniert betrachten wir, wie man mit so einfachen Werkzeugen solch komplizierte Muster herstellen kann. Auf jeden Fall mussten wir mindestens einen Schal erwerben. Die Großmama hatte gerade ein Dessert zubereitet gehabt, es war noch warm, welches wir selbstverständllich zu probieren hatten. Obwohl es ganz und gar nicht so aussah, war es total lecker. Wr besuchen auch noch eine zweite Weberfamilie, die zu Bootsinhaberfamilie gehörte. Wieder alles ganz sauber, der gestampfte Lehmboden gefegt. Alle Erklärungen in gutem Englisch. Hier zeigte man uns auch den langwierigen Weg von der Idee bis zur Übertragung des Musters auf den Webstuhl. Echt mittelalterlich. Die meiste Seide kommt aus Kambodscha, aus Takeo. Noch einen Läufer ausgewählt und dann wieder aufs Schiff, bevor Theo mit allen Dorfhunden Freundschaft geschlossen hat.
Auf dem Rückweg schleppten wir einen Jetski ab,

der mit 3 Khmer mindetens so gut besetzt war wie die Mopeds auf den Straßen. Wahrscheinlich war ihnen der Treibstoff ausgegangen und nun versuchten sie schwimmend voranzukommen. Die Uferfront war voller Menschen und diese Aktion natürlich eine willkommene Abwechslung.
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