Sonntag, 28. März 2010

Krieg und Marken, Krieg der Marken?

von Stefan
Hat mich doch mein Bruder unlängst darauf aufmerksam gemacht, dass wir ja hier eigentlich noch ein ganz anderes Ziel hatten, von dem er allerdings gar nichts mehr gehört hatte. Es ist ein wenig schwierig zu erklären. Als wir diesen Teil Asiens kennengelernt hatten, fiel uns sehr schnell ins Auge, dass ganz offen mit Raubkopien - sei es nun Filme, Musik oder auch Computerprogramme gehandelt wird. Wir können auf unseren Computern sehr gut auf kommerzielle Software verzichten, da wir nur noch mit freier Software auf Linuxbasis arbeiten. Da diese Programme heutzutage sehr gut sind, unterliegen wir keinen Einschränkungen an Funktionalität, Komfort und Service. Vor allem beruflich hatte uns dieses Thema beschäftigt. In der Gerichtsbarkeit Deutschlands ist der Lehrer juristisch belangbar, der im Unterrichtsraum gestohlene Software, inkl. Betriebssysteme verwendet. Die uralte Software von MS hatte noch nicht einmal das Eurozeichen bei Excel drin. Neue Programme oder sogar Betriebssysteme, waren finanziell nicht möglich gewesen. Die dazugehörige Hardware schon gar nicht. Unter den Umständen war ich froh, ein zusammenschraubbares modernes und flinkes Betriebssystem zu haben und das kostenfrei und legal. Zum anderen konnte ich meinen Schülern zeigen, wie sie auf ihrer alten und auch neuen Hardware zu Hause legale, moderne, flinke Software nutzen können. Warum nicht also den Kindern hier zeigen, dass es auch legale tolle Dinge gibt.
In Deutschland wird ein großes Unternehmen keine geklaute Software einsetzen. Die Gesetze sind da und werden auch angewendet, um diese Dinge abzustellen. Dort ist, zumindest was meine Beobachtungen bei meinen Besuchen in Firmen und Hochschulen angeht, ein eindeutiger Trend zu Linux und freier Software zu bemerken. Microsoft ist schlicht weg teuer.
Hier ist alles anders. In einem Land, in dem geklaute Software und DVDs in aller Öffentlichkeit und vor allem in ganz "normalen" Läden der Stadt für 1-3 $ verkauft werden, braucht man von einem finanziellen Druck nicht zu reden. Das Betriebssystem oder das Programm wird für wenig Geld erworben und keiner hat ein schlechtes Gewissen dabei. Es ist ja bezahlt. Hier werden ja noch nicht einmal die Gesetze richtig umgesetzt, die vorhanden sind. Da hat niemand ein Interesse daran ein internationales Handelsabkommen über Markenschutz abzuschließen und vor allem umzusetzen. Jeder profitiert ja in irgendeiner Weise von diesem Chaos. Westliche Marken zu besitzen ist ein Statusprivileg. Da gehört natürlich die Marke Microsoft dazu. Hier wird einfach übernommen und genommen. Moralische Bedenken diesbezüglich, die noch nicht einmal in der westlichen Welt vollständig ausgeprägt sind, darf man da nicht erwarten, zumal sie ja nicht gegen die religiösen und sonstigen ethischen Regeln des Landes verstoßen. Es wäre also völlig unverständlich einen Computer zu besitzen, der nicht das neue Win7 als Betriebssytem hat. Man konnte es sehr gut beobachten. Die gecrackten Versionen kamen in unserer Zeit in Kambodscha an. Es dauerte keine Woche, schon hatten alle Internetcafes umgerüstet, ob die Hardware dafür geeignet war oder nicht. Es war ein Statussymbol für die Inhaber. Sehr viele haben auch DELL-Rechner, auch sehr beliebt, weil bekannt. Linux kennen nur die Profis. Genutzt haben wir es hier noch nie gesehen. Wir zeigen unsere Computer bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Das ist alles, was wir machen können, aber der finanzielle Druck, wie oben beschrieben, existiert ja nicht. Im Gegenteil, wenn man etwas benutzt was keiner kennt, heißt es ja automatisch, du kannst dir das Bekannte nicht leisten.
Wir fahren auch Fahrrad. Das machen nur die wirklich richtig Armen und ein paar Weißnasen. Es ist statusmäßig absolut unverständlich und regt auch immer zum verwunderten Schauen oder Lächeln an, wenn wir gesehen werden. Wenn wir Marie von der Schule abholen sehen wir richtig das Naserümpfen (meist innerlich). Da stehen dann die Fahrer der Kinder mit ihren laufenden Lexus oder MB500 Karossen, seit kurzem auch Rolls Royce, und fragen sich, was machen die mit ihren Fahrrädern da, und das nun schon seit einem 3/4 Jahr. Da sie selbst kaum Benzin bezahlen müssen, ist das noch nicht einmal eine finanzielle Frage, geschweige eine Umweltfrage.
Zu Schulen haben wir nach dem Studium der Situation vor Ort, offiziell keinen Kontakt mehr geknüpft. Die privaten Schulen sind gut ausgestattet. Die kosten auch selbst für unsere Verhältnisse sehr viel. Niemand würde unter den obengenannten Bedingungen sein Kind auf eine Schule schicken, die teuer bezahlt werden muss, wenn da nicht das gelehrt wird, was man unter westlicher Bildung versteht und da gehören nach ihrem Verständnis Produkte der Firma Microsoft dazu. Ländliche Schulen haben keinen Strom, auf jeden Fall nicht für Computer. Staatlichen Schulen allgmein zu helfen ist sehr fragwürdig. Die Lehrer werden kaum bezahlt, die Schulen schlecht ausgestattet, aber die Mächtigen, auch in der Regierung stopfen sich die Taschen voll. Es gibt hier kluge Menschen, die behaupten, dass man dann dem Staat die Verantwortung noch mehr abnimmt. Ich teile das sicher nicht ganz, aber es ist wie immer ein Funken Wahrheit darin.
Vielleicht ist die Situation mit der nach der Wende bei uns zu vergleichen, wo viele Ostprodukte nicht mehr gekauft wurden, da man ja jetzt Westen war. Die sagen sich, jetzt sind wir nicht mehr arm und nun leben wir, wie wir uns den Westen vorstellen. Das sie da zum Teil schon längst über das Ziel hinausgeschossen sind, bemerken sie gar nicht. Interessanterweise gibt es dazu nun auch öffentliche Gedanken. In einer der letzten Cambodian Daily wurde über das Problem diskutiert. Warum fährt hier eine Jahresproduktion von Lexus-Autos, warum lassen sich viele Khmer diese Riesenkisten aus Amerika einfliegen und bezahlen dafür 50.000$ plus 50.000$ Steuer. Unter Post War Syndrom könnte es eingeordnet werden. Nach so vielen Jahren Krieg wollen die Menschen leben und zeigen dass sie es sich leisten können. Luxus ist hier nichts verschämtes, sondern wird protzig vor sich hergetragen, gefahren oder getrunken. Endlich Frieden? Den Krieg führen jetzt KFC, Ferrero, Johnny Walker und co und haben ihn eigentlich schon gewonnen.
Ihr seht, eine so verworrene Welt, die durch die Welt (UNO, NGOs, GOs,...) verworren gemacht wurde, können wir nicht verändern. Die Übermacht ist zu groß.
Wir haben aber längst verstanden, dass wir die Welt nur zu Hause verändern können, so, wie wir das bis zu unserem wunderschönen Aufenthalt hier gemacht haben. Da gibt es viel zu tun, mehr als wir in unserem Leben verändern können.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Ja, jeder, der etwas verändern oder bewegen will, muss sich selbst verändern oder bewegen, in jeder Beziehung. Und das ist gar nicht so einfach, aus Gewohntem auszusteigen oder einfach den ersten kleinen Schritt zu machen. Viele verkriechen sich dahinter, dass sie sagen, wir können die Welt nicht retten. Aber es beginnt vor der Haustür.
Ich wünsche euch auch fernab der Heimat ein schönes Osterfest!!! Marlis
Es kommt ganz bestimmt!!! bald wieder mehr von mir