Im Urwald zu schlafen ist etwas unruhig, da jeden Augenblick irgend etwas zu erzählen hat. Oder einfach mal in Familie über unser Blechdach spaziert wird. Auf jeden Fall ist man früh wach, wenn der Natursound so richtig los geht. Das ist auch gut so, denn Frühstück gibt es von 6 bis 9 Uhr. Es ist einfach, lecker und inklusive in den 15$, die unsere Unterkunft die Nacht kostet. Wir trafen den zweiten Gast der Lodge. Schnell entspann sich ein Gespräch, natürlich auf Englisch, bis unser Lodgechef meinte, dass man sich auch auf Deutsch unterhalten könnte. Mittlerweile merkt es niemand mehr, wer woher kommt. Englisch ist gängige Umgangssprache unter Weißnasen. Nach dem Frühstück verschafften wir uns erst einmal einen Überblick bei Tageslicht, in dem wir den "Stairway to Paradies" erklommen.

Von diesem Hügel aus hat man einen wunderbaren Blick in die Umgebung. Es ist grün, hügelig und Kautschuk-, Cashewnut- und Bananenplantage bestimmen das Bild. Vom einstigen Urwald ist von hier oben nichts mehr zu sehen. Tagesziel für heute ist der 2,5km entfernte Vulkansee "Yaklom", der in nur 45min zu Fuß zu erreichen sein soll. Das erste Stück Weg geht wirklich quer durch die Botanik und zum Teil steil bergauf. Dafür läuft man dann einen Kamm mit phantstischem Ausblick entlang. Hier sahen wir das erste Mal Cashewnüsse, die als Anhängsel einer apfelgroßen Frucht, die nicht sehr wohlschmeckend sein soll, wachsen.

Wir hätten gern eine frische Nuss probiert, allein das Bild eines "klauenden" Weißnasen, das wir auf keinen Fall vermitteln wollten, hielt uns zurück. Nur gut, denn wir erfuhren im Nachhinein, dass die Nuss frisch nicht lecker ist, die Schale schwer zu entfernen und die Flüssigkeit, die die Nuss umgibt,sehr klebrig und zu allem Übel auch noch giftig ist. Wenn wir das nächste Mal eine Tüte dieser Nüsse essen werden wir dies gewiss mit großer Ehrfurcht vor dem großen Aufwand der Ernte und der Verarbeitung tun. Der Aufkaufpreis hat sich übrigens von 2009 zu 2010 fast verdoppelt. Jetzt ist "harvest season" für diese Früchte, danach, sagen die Einheimischen beginnt die "robbery season". Da einige Menschen auf leichte Art zu Geld kommen wollen, versuchen sie einfach mit Gewalt an das eben verdiente Geld und Gold der Bauern zu gelangen, bevor es in Autos, Motorräder oder andere Wohlstandsartikel umgesetzt worden ist.
Auf dem Weg zum Yaklom fiel uns noch eine andere, von einem Schweden geführte Lodge auf. Saubere und modern ausgestatte Bungalows mit solarerhitztem, heißen Wasser, Internet am Abend und Sauna kosten 20$ die Nacht. Allerdings ist der Besitzer nicht ganz so freundlich, wie wir das erwartet hätten. Eben kein Asiate oder lag es daran, dass er keine Gäste hatte? Die schönen großen Motorräder wollte er uns jedenfalls nicht ausleihen, weil wir nicht bei ihm wohnen.
Der Vulkansee ist toll. Touristisch richtig gut erschlossen gehört er einer ortsansässigen Minorität, den Tapuan. Zusammen mit seinem Umfeld ist er ein Naturschutzgebiet.
Jungen- und Mädchenhäuser der Highlander, hier als Touristenattraktion
Vor 700.000 Jahren entstanden ranken sich viele Sagen und Mythen um ihn. Der Eintritt kostet 1$ und ist auch für Khmer nicht kostenlos. Allerdings bezahlen sie weniger. Alles ist super sauber und mit Schildern versehen.

Zum Baden werden den vielen unsicheren Schwimmern superneue Schwimmwesten in reichlicher Zahl angeboten. Mit seinen verschließbaren Müllbehältern, die auch verwendet werden, erinnert er uns an ähnliche Attraktionen in Kanada. Es bestand aber nicht die Gefahr von Bären, nur Schlangen, die wir jedoch nicht zu Gesicht bekamen, dafür Eidechsen, Vögel, Schmetterlinge aller Größen und Farben.

Natürlich wurde auch gebadet. Mittlerweile gibt es zu jeder Badeplattform, insgesamt 4, auch Umkleidekabinen.

Dafür, dass der See 47m tief ist und ca. 800m im Durchmesser, ist er unglaublich warm. Allerdings reichen wenige Schwimmzüge aus, um die kälteren Schichten nach oben zu transportieren. Natürlich haben wir uns ordnungsgemäß mit Namen vorgestellt, um den im See lebenden Geist zu besänftigen, sind wir doch durch das klare Wasser sehr gut von unten zu beobachten. Weißnasen sieht man nur wenige, dafür junge Khmer, die auch baden. Natürlich gehen sie in Anziehsachen in Wasser und wenn sie gerade das feine weiße Designerhemd und die glänzende trendige Hose anhaben auch damit.

Es trocknet ja bei knapp 40°C relativ schnell auf dem Motorroller. Weißnasen in Badesachen, vor allem Frauen in Bikinis, werden "interessiert" angestarrt. Da wirkt Steffie in ihrem in Saigon gekauften Badedress relativ unauffällig. Nach einer Umrundung des Sees mit diversen Badestopps, wanderten wir wieder zurück zu unserer Eco-Lodge.

Beim Abendbrot und Niederschreiben dieser Zeilen begleiten uns wieder die ohrenbetäubenden Urwaldgeräusche, die teilweise wie angeschaltet irre laut loslegen und dann wie ausgeknipst absterben. Das es sich um ein Vogelschutzgebiet handelt können wir nicht nur an den bunten Bildchen der hier gesichteten Vögel feststellen, 21 verschiedene Arten bis jetzt, der eine oder andere gefiederte Freund ließ sich auch von uns entdecken. Fast alle haben wir noch nie zuvor gesehen. Der Sonnenuntergang war wenig spektakulär, dafür der Weg zur "sunset-platform" - ein Naturpfad. Aufgebrochen ohne Taschenlampe hatten wir schon Sorge, falls es wirklich zu schnell dunkel wird, zurück zur Lodge zu finden.

Über den Tag war die Idee gereift, die nächste Tour mit 4-Rädern zu unternehmen, zu staubig sind die Pisten hier und für den Untergrund benötigt man gute Motorräder. Selbst Stefan, als leidenschaftlicher Motorradfahrer, verspürte nach jeder weiteren Staubwolke immer weniger Lust darauf. Um die Kosten zu reduzieren, boten wir Hugo, dem einzigen weiteren Gast an, uns zu begleiten. Mit dem Chef der Lodge legten wir Route und Startzeit fest. Obwohl er nur einen Jeep im Angebot hatte, offerierte er uns einen Camry, da in der Trockenzeit ein Jeep nicht notwendig und wir außerdem 10$ einsparen können.
Bei angeregter Diskussion mit Hugo über Gott, die Welt, Politik und Wirtschaft ließen wir den Abend ausklingen.
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