Jeder, der hier durch die Straßen fährt wird sehr schnell merken, dass die Botschaften an den Werbungen und Hausbeschriftungen nur der versteht, der in der Lage ist die Schriftsprache der Khmer zu lesen. Dazu gehören wir nicht. Also bleiben unsere Augen unweigerlich an den wenigen lateinischen Lettern hängen. Die Botschaft ist allerdings nur allzu deutlich. Wer einen richtig originellen Namen für sein Produkt finden will, nimmt etwas aus der Khmermythologie oder -geschichte. Wer es martialisch mag, benutzt auch schon mal den Namen des immer noch blutig umkämpften Tempels an der thailändischen Grenze.

Internationalität wird natürlich nur mit englischen Worten erreicht. Und da kann jeder sehen, Kambodscha ist ein glückliches Land. Unzählige Lucky's zeugen davon.

Kambodscha ist aber auch ein goldenes Land.

Und diesen Reichtum zeigt jeder gern, vor allem wenn die unsichere Währung lieber in solides Gold eingetauscht wird. Das wird am Straßenrand wir im Hochglanzgeschäft professionell abgewickelt.

Natürlich hat alles mit einer naiven und durch geringe Sprachkenntnisse geprägte Herangehensweise zu tun. Das gab auch schon auf anderen Teilen der Welt und hat manchmal durchaus zum Erfolg geführt. Wer weiß heute noch, dass die Firma, die sich heute selbstbewusst LG nennt und hervorragende Elektronikartikel herstellt, eigentlich als LuckyGoldstar begonnen hat?
Bei so viel heiterem, glücklichen und goldenen Sonnenschein muss es natürlich auch eine tiefschwarze Seite geben. Natürlich gibt es sie und sie ist nicht nur schwarz sondern auch dunkelrot. Im Verhältnis der Khmer zu den Kinofilmen kann man sie gut erkennen. Es laufen in den hiesigen Kinos hauptsächlich nur einheimische Filme. Und da hat sich der Horrorfilm, der einfachsten, brutalsten und blutrünstigsten Form, als Kassenschlager entwickelt. Die Plakate sind so abschreckend, dass wir es uns nicht angetan haben dieses Erlebnis auf uns wirken zu lassen.

Europäer, die es gesehen haben, konnten sehr tief in die immer noch vollständig traumatisierte Seele des Volkes schauen und haben nur den Kopf geschüttelt. Ganz entziehen konnten wir uns dem aber nicht. So lief ein anderes beliebtes Genre in den Busfahrten zu allseitigen Unterhaltung, KungFu-Filme. Es ist schon interessant zu sehen wie ein buntes Völkergemisch aus Jungen und Alten regiert, wenn auch hier am schönen sonnigen Mittag literweise Blut aus menschlichen Körpern fließt. Die Asiaten hatten jedenfalls ihren Spaß.
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