Am letzten Abend bewaffneten wir uns mit einer Taschenlampe, um unseren tierischen Mitbewohner
kennenzulernen. Doch diese Nacht verhielt es sich vergleichsweise still, nur die Kerze war wieder
angeknabbert. 5.30 Uhr standen wir gemeinsam mit den Waldbewohnern auf. Versehen mit einem
Lunchpaket wurden wir zum Bus gebracht. Die besten Plätze ganz vorn waren für uns reserviert. Doch leider hatte das Busunternehmen die großzügige Beinfreiheit bereits genutzt und einen
Behälter eingebaut, so dass wir kaum die Füße unterbrachten. So eingequetscht hatten wir noch nicht einmal im Van gesessen. Auf den nächsten Kilometern füllte sich der Bus, bis auch der letzte im Gang aufgestellte Plastikhocker besetzt war. Mitten im Nirgendwo wurde der Bus langsamer und hielt. Diesmal war es der Kühler; geplatzt und das Kühlwasser lief aus. Ratlosigkeit beim Personal und der hilflose Versuch, den Kühler mit dem hier sehr beliebten Sekundenkleber zu reparieren, bestimmte die nächsten Minuten. Der nächste Bus wurde angehalten und ein kleines Päckchen Epoxydharz herausgereicht. Während des
Härtens des
Klebers, stellte der Fahrer fest, dass der innere Hinterreifen keine Luft mehr besaß. Also wurde gleich auch dieser noch gewechselt. Da die Batterie zum Anlassen nicht mehr ausreichte, schob man den Bus fast voll besetzt an. Die Fahrt konnte fortgesetzt werden und wir kamen bis
Kratie, unserem Tagesziel. Das heißt fast, denn kurz vor vor dem Stadteingang wurde erstmal die
khmertypische Mittagspause an einer Straßengaststätte eingelegt. Eine Reparatur des Getriebes verlängerte diese Pause, da sich der Rückwärtsgang nicht mehr schalten ließ. Mittlerweile waren die weißen Hemden und hellen Hosen der
Buscrew durch den roten Staub verdreckt, da sie alles unter dem Bus bewerkstelligen mussten. Nach fast 7 Stunden Fahrt verließen wir in
Kratie den Bus und verabschiedeten uns von Hugo, unserem deutschen Mitreisenden, der am selben Tag noch in
Phnom Penh ankommen wollte. Wir drückten ihm die Daumen und waren froh keine weiteren, im besten Falle 6 Stunden, in diesem Bus verweilen zu müssen.
Kratie ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz und in weniger als einer halben Stunde zu durchlaufen. Wie überall ist ein quirliger Markt das Zentrum der Stadt.

Auffallend sind die zum Teil sehr schönen Kolonialbauten, die jedoch größtenteils in einem erbärmlichen Zustand sind.

Die Gebäude, die bereits etwas frische Farbe gesehen haben, erwecken die Hoffnung, dass der Tourismus den Dornröschenschlaf beenden kann. Angezogen von den
Irrawaddy-Delphinen wächst die Besucherzahl. Am Mekongufer entstehen immer mehr Hotels, Pensionen und Restaurants, die einen guten Service anbieten. Uns wurde das "
Oudom Sanbath" empfohlen.

Obwohl die besonders schönen Zimmer mit großzügiger
Gemeinschaftsterasse nicht mehr frei waren, fühlten wir uns in unserem 5$ Zimmer mit eigenem Bad, was hier keine Selbstverständlichkeit darstellt, sehr wohl. Besonders angetan waren wir von dem fantastischen Service. Gleich nach unserer Ankunft wurden uns die Bustickets für die Weiterfahrt nach
Phnom Penh besorgt und eine Bootstour zu den Delphinen organisiert. Diese Tickets gab es mit Geld-zurück-Garantie, falls wir keine Finne erspähen sollten. Ja, auch wir wollten sie sehen, bevor sie ganz ausgestorben sind und in der Trockenzeit besteht dafür die beste Chance. Die Verbreitung der
Irrawaddy-Delphine erstreckt sich von der Bucht
Bengalens bis zur Küste
Nordaustraliens. Ihr Lebensraum sind große Flüsse und
küstennahe Regionen. Sie können sowohl im Süßwasser als auch im Salzwasser leben. Jedoch sollen sich die hier lebenden Mekong-Delphine durch jahrhundertelange
Seperation genetisch von ihren
Artgenosssen unterscheiden. Am ehesten verwandt sind sie den
Baiji im Yangtse, den
Boto im Amazonas und den
Bhulan und
Susu im Ganges und Indus. Äußerlich unterscheiden sie sich gravierend von den bekannten Delphinen, haben sie doch nicht diese "Flipperschnauze". Ihre Stirn ragt über das Maul hinaus und ihr Luftloch öffnet sich nach vorn.
Da auch uns kein solches Foto gelungen war, bedienten wir uns bei
www.thailandtip.de, um sie euch wenigstens mal zu zeigen.
Leider neigen sie auch nicht dazu tollkühne Sprünge aus dem Wasser zu vollführen, was das
fotographische Festhalten deutlich erschwert. Ganz im Gegenteil tauchen sie nie an der Stelle auf, wo man sie mit gut vorbereitetem Teleobjektiv erwartet.

Oft hört man nur ihr "Schnaufen", meist im Rücken und ist selbst mit den Augen zu spät.

Wir hatten jede Menge Glück, mehr als bei unserer letzten Delphinsafari im Atlantischen Ozean. Obwohl die Population in den letzten Jahren sehr abgenommen hat, konnten wir, kaum im Boot und auf den Mekong hinaus gefahren, die ersten Exemplare sehen, zumindest ihre blaugrauen Rücken. Ab und an sprühten sie
Wasserfontänen. Man nimmt an, dass sie damit Fischschwärme zusammentreiben. Jetzt in der Trockenzeit bewohnen die Delphine einen Pool, wahrscheinlich eine riesige
Flußvertiefung. Von den ehemals Tausenden, schätzt man sie jetzt auf gerade mal noch 30 Tiere, die auf den abgelegenen Mekongabschnitten zwischen
Kratie und der Laotischen Grenze leben. In Laos sollen noch 50 Tiere existieren und in Vietnam gelten sie als ausgestorben. Die brutalsten Delphinkiller waren die Roten Khmer. Aus einem Delphin ließen sich 25l Öl für die Bootsmotoren gewinnen. Doch auch heute noch gefährden illegaler Fischfang mit Dynamit und Elektroschocks, zunehmende
Wasserverschmutzung und geplante Staudämme diese seltenen Säugetiere. Traditionell fangen und essen die Khmer keine Delphine. Zum einen schützt sie der Mythos. Jeder Delphin soll ein wiedergeborener Khmer sein. Ihre einwöchigen Jungen sollen tatsächlich Menschenbabys ähnlich sehen. Auch besagt ein Aberglaube, dass ein Fischer, der einen Delphin fängt oder gar tötet, nie wieder einen Fang macht. Da die Delphine den Fischern manchmal helfen die Fische in die Netze zu treiben und sogar Menschen vor Krokodilen gerettet haben sollen,
genießen sie einen Menge Sympathie unter den Einheimischen. Und nun können die Bewohner von
Kratie und
Kampi, einem kleinen Dorf 15km nördlich
Kraties, in dessen Nähe sich die Delphine tummeln, den
Irrawaddy-Delphinen noch aus einem anderen Grund dankbar sein; sie haben die Touristen mit ihren Dollars in die Stadt gelockt. Gibt es einen bessere Lebensversicherung für
Reinkarnationen? Selbst der Staat hat das endlich begriffen und vor einigen Jahren die Tiere unter Schutz gestellt. Zur Zeit ist man sehr stolz, dass zwei Babys gesichtet wurden, die manchmal auf dem Rücken der Mutter schwimmen. Ob das aber reichen wird ist fraglich, denn die neuesten Studien des
WWF deuten auf ein baldiges Aussterben hin. Wer dazu genauere Informationen möchte kann unter folgendem Link nachlesen:
http://www.wwf.de/presse/details/news/flussdelphine_im_mekong_stehen_kurz_vor_der_ausrottung/Auch der
Mekong selber zieht die Blicke auf sich. Er ist um ca. 30m gesunken und bietet zum Teil Strände oder wilden
Bewuchs an seinen Ufern.

Doch besonders toll sehen
die vielen Inseln aus, die in allen Größen aus dem Flussbett herauswachsen. nicht mehr lange, dann steigt er mit ein bis zwei Metern pro Tag wieder an.

Am nächsten Tag, nach einem reichlichen Frühstück,
mondän im Liegestuhl mit Blick auf das Markttreiben, schlenderten wir noch ein wenig durch
Kratie.

Wie immer verspätete holte uns der Bus vom Hotel ab. Schon nach nur einer Stunde Fahrt machten wir die erste Pause. Da wir nur eine Busbegleiterin hatten, waren wir großer Hoffnung diesmal ohne Pannen nach
Phnom Penh zu gelangen was auch in 6 Stunden gelang.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen