Dienstag, 27. April 2010

Wir waren an unserer letzten Station der Rundreise durch Yunnan angekommen, Dali, dem "Paradies der Rucksacktouristen". Mit leider einem kleinen unkomfortablen Bus bewältigten wir die Strecke Lijiang - Dali in immerhin 3,5 Stunden. Wir ließen uns am Abzweig zur Altstadt absetzen und mussten den restlichen Kilometer laufen. Die "Taxen", die bereit standen, winkten ob der geringen Distanz ab. In China läuft man solche Strecken. Unsere neue Unterkunft, die "Tibetan Lodge" war gut zu finden, einfach und sauber. Wir buchten 2 Zimmer mit Loft für die Kinder.
Die Altstadt von Dali betritt man durch eines der Stadttore, da sie von einer 7m breiten und 8m hohen Stadtmauer umgeben ist. Die Urbevölkerung, die Bai, leben hier bereits seit 3000 Jahren und die Stadt selbst, mit ihrem ungewöhnlich fast quadratischen Grundriss, ist bereits 600 Jahre alt. Landschaftlich eingebettet zwischen Erhai-See und den über 4000m hohen Cangshanbergen, liegt Dali selber auf einer 1900m hohen Hochebene. Nach all dem, was uns schon geboten wurde, wirken Stadt und Natur im ersten Eindruck eher unspektakulär. Hier trifft man auf viele Backpacker und Aussteiger und es stellt sich einem die Frage, ob Dali die Menschen prägt oder andersherum. Und Straßennamen, wie die "Auslaenderstrasse", lassen so manche Vermutung zu.
Doch Dali hat durchaus seine Sehenswürdigkeiten. Da gibt es die Schmetterlingsquelle, an der laut Reiseführer und Internet gerade jetzt ein Baum mit schmetterlingsähnlichen Blüten dicht von Schmetterlingen umschwärmt sein soll. Diesem Naturereignis ist ein eigenes Fest gewidmet. Doch unsere Rezeption winkte ab und meinte, dass die Schmetterlinge erst nächsten Monat kommen. Da man in China mit dem Mondkalender rechnet, kann es durchaus gravierende Verschiebungen geben.
Nur 2 Kilometer von der Altstadt entfernt steht das Wahrzeichen Dalis, die 3 Pagoden des Chongshen Klosters. Schon beim Vorbeifahren bewunderten wir die ungewöhnliche Architektur. Die Höchste ist fast 70m hoch und 836 erbaut. Aber 121 Yuan Eintritt, nur um sie von Nahem zu sehen?
Da wären auch noch die Tempel in den Westbergen, verbunden mit einer Gondelfahrt und Wanderung, doch das hatten wir ja alles schon. So fiel unsere Entscheidung zu Gunsten des als einmalig angepriesenen Montagsmarktes aus, zu dem die Menschen aus ganz Yunnan kommen sollen. Der Markt von Sharpin war lange nicht so großartig, wie erwartet. Für Marie war es allerdings sehr interessant einem Wanderzahnarzt über die Schulter schauen zu können und auch einem Ohrenarzt konnten wir bei der Arbeit zu sehen. Die Handelsspannen verschlugen einem die Sprache, auch weil die Waren am Ende selbst für unser asiengewöhntes Preisgefühl unglaublich preiswert waren. Früher als geplant waren wir mit dem Rundgang über den Markt fertig und so schlug uns der Fahrer, des von uns gemieteten Vans noch einen Stopp an der Seilbahn vor. Nun ja, wir dachten sowieso noch daran die Bergtempel zu besuchen, also warum nicht gleich. Nach nur wenigen, nach unserem Gefühl zu wenigen, Fahrminuten erreichten wir die Seilbahn. Es war nicht die Seilbahn zu den Tempeln, sondern ein "chinesischer Geheimtipp". Wir machten uns den Spaß diese Attraktion zu besichtigen und waren tatsächlich die einzigen Ausländer zwischen den vielen chinesischen Touristen. Die Bahn brachte uns zum Eingang einer wirklich wunderbaren Tropfsteinhöhle von 500m Länge. Da es die Chinesen schön bunt und kitschig mögen, ist sie mit vielen Lichtern und Leuchtschnüren geschmückt. Eine kleine Quelle im Inneren ist sichtbar künstlich angelegt. Zum Schluss wusste niemand mehr, was eigentlich Realität und was Illusion war.
Auch später beim Spaziergang in der restaurierten Altstadt und auf der Stadtmauer war es für uns nicht auszumachen, wo sich die Grenze zwischen historischer Wirklichkeit und von den Chinesen geschaffener historischer Ästhetik befindet.
Mit einem Überlandbus fuhren wir in nur etwas über 4 Stunden zurück nach Kunming. Das selbe Hotel, sogar das selbe Zimmer, der selbe Pub, hier waren wir schon fast heimisch. Den letzten Tag in Kunming genossen wir bei einem Bummel durch die Einkaufsstraßen. Auch hier gibt es alle bekannten Marken zu kaufen, doch auch die chinesischen Eigenproduktionen stecken voller Fantasie, sind einzigartig, chic und dazu noch preiswert. Eigentlich schade, dass sie es trotzdem nötig haben, ihre Waren mit Firmenlogos auszustatten, die an die bekannten Marken erinnern sollen. Das geht hier so weit, dass sogar Automarken nachgemacht werden. Beim genauen betrachten, erkannten wir verfälschte Schilder für Toyota und auch Skoda wieder.
Aus der Erfahrung gelernt, fuhren wir dieses Mal fast 2 Stunden vorher zum Flughafen, auch weil wir ja unsere Taschenmesser einlösen wollten. Doch was für ein Schreck, auf der Anzeigetafel war unseren Flug für 7.50 Uhr angezeigt. In den uns verbleibenden 10 Minuten war das wohl kaum zu schaffen. Verzweifelt versuchten wir an diversen Informationsschaltern herauszufinden, was mit unserem Flug passiert war. Erst am Check in für China Eastern dann die Entwarnung. In China wird auf den großen Anzeigetafeln nicht die Abflugzeit, sondern der Check in angezeigt. Wieder mit der niedlichen kleinen Maschine und der Ausreise beim Zwischenstopp in Nanning verließen wir China.
Für uns stellte sich China als ein unheimlich modernes Land vor. Die überall in der Welt bekannten Billigwaren "Made in China" sahen wir überhaupt nicht, im Gegenteil, die angebotene Qualität überraschte sehr angenehm. Der Umweltschutz wird groß geschrieben und auch praktiziert. Traditionen werden bewahrt und Minderheiten schützt. Sicher ist die große Präsenz der Polizei nicht nur für die Sicherheit auf Chinas Straßen da. Für uns war es aber ein beruhigendes Zeichen in der Nacht alle paar 100m ein rot-blau-blinkendes Licht zu sehenden, ein Zeichen für einen besetzten Polizeiposten. Wir konnten uns völlig frei bewegen und wurden manchmal sogar ein wenig zu sehr umsorgt. Auch hier kann man unterschiedlicher Meinung sein. Nur das Beste für den Touristen aus dem Westen, oder Abschottung von den eigenen Landsleuten?. Wir empfanden es nicht als Abschottung. Mit jeden sind wir ins Gespräch gekommen, der ein wenig Englisch konnte. Angesprochen wurden wir oft, meist allerdings in Chinesisch. Das Sprachproblem ist riesig, da wirklich kaum jemand Englisch spricht, aber durch die kleinen beschriebenen Tricks gut zu umschiffen. Besonders auffallend für uns war, dass wir in allen Berufen auch Frauen antrafen. Selbst die körperlich schweren Arbeiten auf dem Bau werden genauso von Frauen wie von Männern ausgeführt. Sicher ist das nur ein oberflächlicher Eindruck. Arbeitsbedingungen, Menschenrechte, ... all das ist von uns nicht zu beurteilen. Und dann natürlich Tibet. Gern wären wir dorthin gefahren. Für uns war die Reise dafür einfach zu kurz. Offiziell ist die Einreise westlicher Touristen untersagt. An jedem besseren Guesthouse werden aber ganz offen Reisen dorthin angeboten. Es gibt eben, wie bei vielen Dingen zwei Seiten. Und der Kommunismus? Mao ist wieder auf allen Geldscheinen zu sehen Mao-Bibeln in allen Sprachen und "Reliquien" überall zu erstehen und der Blick auf diese historische Figur scheint etwas unreflektiert. Trotzdem ist es nicht so plakativ zur Schau gestellt wie wir es zum Beispiel in Vietnam erlebt haben.
China ist für uns mit Sicherheit noch eine zweite Reise wert, aber nicht mehr in diesem "Urlaub".

Unser nächster Reisebericht wird hier zu lesen sein, wenn wir nach unserer vermutlich letzten großen Reise in Südostasien, aus Indonesien, wiedergekehrt sind.

2 Kommentare:

Ines und Andreas hat gesagt…

Hallo ihr Weltreisenden,

sind erleichtert, dass ihr gesund wieder gelandet seid.
Zumal wir nicht genau wussten, wo es in China gebebt hat und wichtiger, wo ihr euch gerade aufhaltet.
Liebe Grüße

Ines und Andreas

Anonym hat gesagt…

Hallo Frau Hesse and Family^^
Wir wollten mal fragen wann Sie wirder in Deustchland sind?
Irgendwie haben wir es voll verplant:D
Liebe Grüße Klasse 10B