Donnerstag, 22. April 2010

Kunming - Hauptstadt von Yunnan

Erster Eindruck
Unser Hotel offerierte ein kleines feines Frühstücksbuffet, auf dem auch für den westlichen Geschmack etwas zu finden war. Um mit unserem Zurückgebliebenem in Kontakt zu bleiben, war unsere erste Aufgabe eine SIM-Karte zu besorgen. Per Pedes machten wir uns nach einer Wegbeschreibung des Hotels auf den Weg und waren erfolgreich. Wir waren in Kunming angekommen. Kunming ist die Hauptstadt der Provinz Yunnan und liegt in deren Mitte auf einem Plateau ca. 2000m über dem Meeresspiegel und nördlich des Dianchi Sees von drei Seiten umgeben von Bergen. Auf Grund dieser Lage hat die Stadt das ganze Jahr über ein recht mildes Klima und wird im Volksmund auch als "Stadt des ewigen Frühlings" bezeichnet. Für uns schienen die 26°C doch recht frisch und wir waren froh, warme Jacken eingepackt zu haben. 8 Millionen Menschen sollen in der Hauptstadt Yunnans leben. Natürlich sahen wir die Mietskasernen und Neubauviertel und es wird weiter gebaut, aber die Straßen kamen uns nicht überfüllt vor. Selbst der Verkehr floss stetig und man sah viele Taxen, Busse, einige Mittelklasse Autos und ausschließlich Elektromopeds (kosten hier nur 300-400€). Ein Hingucker sind die vielen Elektroautos der Polizei auf Kunmings Straßen. Sie sehen aus wie große Golfcars und sollen ganz schöne Geschwindigkeit machen.
Auf einer Karte von Kunming entdeckten wir einen grünen Flecken und erklärten diesen zum Tagesziel. Erster Versuch öffentlicher Nahverkehr. Keine Ahnung wie hoch hier die Beförderungskosten sind, zahlten wir 2 Yuan pro Person beim Einsteigen. Später fanden wir heraus, dass eine Fahrt 1 Yuan kostet. Nun hieß es gut beobachten, wo es hingeht, denn die Schilder an dem Bus können wir nicht lesen. Leider nahm unser Bus schon die übernächste Abbiegung in die falsche Richtung. Den nächsten Versuch unternahmen wir mit einem Taxi. Am Steuer eine Frau, wie schon beim Bus. Darauf achtend stellten wir fest, dass hier sehr viele Frauen hinter dem Lenkrad zu finden sind. Das Taxi fährt mit einem Startpreis von 8 Yuan los, der sich erst nach einigen Kilometern erhöht. (10 Yuan sind ca. 1€) Für unsere Strecke blieben wir sogar im Basispreis. Wir stiegen an einem großen buddhistischen Tempelkomplex aus. Das Yuantong Kloster bestand aus einer weiträumigen Anlage und vermittelte uns den Eindruck endlich in China angekommen zu sein.
made by Marie
Wir waren erstaunt, wie gut dieser religiöse Ort besucht war, von Jung und Alt.
Nur ein paar Schritte weiter fanden wir den ZOO von Kunming. 1950 gegründet schienen uns die Käfige der Tiere auch noch aus dieser Zeit zu stammen. Die Unterbringung ist schäbig, klein und oft auch dreckig. Für Theo war es sein erster bewusster ZOO-Besuch und er war sichtlich fasziniert. Der "ewige Frühling" ließ auch hier alles blühen und wir erfreuten uns zumindest an einer liebevoll gestalteten Parkanlage. Neben Tieren und Blumen gab es jede Menge Attraktionen, Schmetterlingshalle, Dinosaurierpark, Rummel...
Das Highlight des Tages war dann die große Wasserrutsche. Natürlich mussten wir 3 Mädels diesen Adrenalinkick ausprobieren. Marie war so begeistert, dass sie gern ein weiteres Mal gefahren wäre und selbst 10 Tage später bei unserem 2. Aufenthalt in Kunming die "Achterbahn" ganz oben auf ihre Wunschliste setzte. Theo erlebte sein erstes Karussel und genoss eine Raupenfahrt. Auf unserer Fahrt durch die Stadt fielen uns die unzähligen Solaranlagen auf den Dächern alter, wie auch neuer Häuser auf. Unsere Recherche ergab, dass im Juli 2008 ein Programm begonnen wurde, nach dem die Solarenergie der Stadt bis zum Jahr 2013 zu einer Solar-Basis von 8,8 Mrd. US$ ausgebaut werden soll (mittlere Sonnenschein-Dauer pro Jahr beträgt mehr als 2.400 Stunden, damit besteht ein Potenzial von 1.500 kWh Solarenergie) Mittlerweile werden 60-70% des Warmwasserbedarfs solar gedeckt. Dadurch kostet eine Anlage umgerechnet 200€ und spart im Jahr Kosten in Höhe von 1000€ ein. Bei solchen Initiativen ist es nicht verwunderlich, dass Versuchsweise ein Umweltgerichtshof eingerichtet werden soll und viele Landwirte auf biologische Landwirtschaft setzen. Man spricht von einer Solarcity, auch weil die Weltgartenbauausstellung 1999 die erste Eco-Stadt in China beherbergt.
Andererseits, ist Yunnan vom Klimawandel stark betroffen. Derzeit erlebt die Region die schlimmste Dürrekatastrophe. In den Medien werden die Menschen zum Wasser sparen aufgefordert und allgegenwärtig sind in den Läden T-Shirts mit Bekenntnissen zum umweltgerechten Verhalten.

Ausflug zu den Westbergen

Da wir noch einen Tag bis zu Tobis Ankunft überbrücken müssen, haben wir uns am zweiten Tag unseres Kunming-Aufenthaltes entschlossen in die Westberge zu fahren. Die Westberge befinden sich 15 km außerhalb von Kunming. Die Bergkette erstreckt sich über 40 km und erreicht Höhen zwischen 1900 und 2350 m. Von einer netten englisch sprechenden Reisebürofrau, bei der wir auch gleich die Flüge nach Lijiang buchten, erfuhren wir, mit welchen Bussen wir unser Ziel erreichen können. (Bus 5 bis zur Endhaltestelle und dann Bus 6 bis zum Endpunkt auf dem Berg) Ganz so einfach war es dann doch nicht. Am Endpunkt der Linie 5 gab es keinen Bus Nr.6. Glücklicherweise sprach eine Frau am Busbahnhof Englisch, so dass sie uns die Richtung und die nächste Busnummer, 54, nennen konnte. Mir dieser erreichten wir dann die Nr.6. An der Haltestelle dieses Busses sorgten sich drei ältere Herren energisch, mit Händen und Füßen darum, dass Theo warm genug eingepackt wurde. Die Busse wurden immer kleiner und am Fuße des Berges wurde uns ein sehr kleiner Bus für 10Yuan/Person angeboten, um zum großen Touristenplatz auf dem Westberg zu gelangen. Wir verzichteten, schließlich wollten wir einen Spaziergang in der Natur genießen. Die erste Karte von der Gegend machte uns deutlich, dass das mit dem Spaziergang zu einer echten Wanderung auswachsen könnte. Wir waren fit, gut ausgerüstet und Theo schlief im neugekauften Buggy. Doch nach 2km bergauf waren wir froh, dass solch ein ganz kleiner Bus hielt und uns die Fahrt nach oben ermöglichte. Jetzt zahlten wir 10 Yuan für uns alle. An der Gondel- und Sesselliftstation war die Fahrt zu Ende. Wir stärkten uns mit den leckeren Yunnankartoffeln, Kartoffeln in Scheiben, Stücken oder im Ganzen, in Öl frittiert, am Spieß oder ein Becherchen voll, gewürzt mit sauerscharfer Soße und Chilli. Dafür ist die Gegend berühmt und sie waren eine sichere und garantiert leckere Versorgungsquelle auf der ganzen Reise. Ein Elektro"bus" brachte uns zum Eingang in den Drachentorpark. Für 40Yuan/Person betraten wir eine phantastische Felslandschaft mit herrlichen Ausblicken, kleinen Tempeln und unendlich vielen Treppen. Der Sage nach soll ein Mönch vor ca. 200 Jahren die Höhlen und Pavillons aus dem Felsen gemeißelt haben. Als er bemerkte, dass er sein ergeiziges Werk nicht zu Ende führen kann, stürzte er sich in die Tiefe. Seine Verlobte weinte darüber so sehr, dass daraus der fast 300km² große Dianchi-See, dessen gegenüberliegendes Ufer nicht zu sehen ist, entstand. Um einen kleinen Vorgeschmack auf unser nächstes Ausflugsziel zu bekommen, erklommen wir noch den kleinen Steinwald. Ganz anders als die anderen Asiaten sind die Chinesen gut zu Fuß und wanderfreudige Leute und daraufhin auch hier in großer Zahl anzutreffen. Trekkingausrüstung bekommt man in China in vielen Geschäften in sehr guter Qualität und auch zu kleinen Preisen, so dass wir uns mit sehr guten Wanderschuhen (ca. 20€) ausstatten konnten. Beliebtestes Fotoobjekt waren jedoch Theo und Marie. Den "Abstieg" übernahm die Sesselbahn, die Fahrt zum Hotel ein Privat-PKW, dessen Fahrer sich ein paar Yuan dazu verdienen wollte. Dabei erleichterte uns unsere Hotelvisitenkarte (Please take me to Camellia-Hotel. Thanks! auf Chinesisch) die garantierte Ankunft.

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