Montag, 11. Januar 2010
Tuol Sleng Museum
Um dieses Land zu verstehen, muss man unbedingt in das Tuol Sleng Museum gehen. Natürlich wollten wir Maximilian diese Erfahrung ermöglichen, nach dem wir diesen Ort mehrfach besucht haben. Samnang, unsere kambodschanische Freundin, die bereits für Mutti und Tante Renate eine brillante Reiseleiterin im Königspalast war, baten wir uns dabei zu begleiten. Sie ist 46 Jahre alt, hat das Regime überlebt und redet sehr offen über die Zeit der Roten Khmer. Zu unserer Überraschung erwartete sie uns mit ihrer Mutter und zwei Tanten, die das Museum nie gesehen hatten. Das heutige Museum war ursprünglich eine Oberschule bevor es von den Roten Khmer zu dem Konzentrationslager S-21 umfunktioniert wurde. Ca. 20.000 Männer und Frauen wurden hier inhaftiert, gefoltert und anschließend auf den Killing Fields 15km von der Stadt entfernt umgebracht. Überlebt haben nur der Fotograf des S-21, ein Maler und 5 weitere Männer. Das Museum ist allein schon ein sehr emotionaler Ort. Zusammen mit Samnang und ihren Verwandten war der Besuch sehr bewegend. Samnang erzählte und erklärte auf deutsch und khmer. Die Reaktion der Frauen war intensiv. Das berühmte Lächeln der Khmer, das auch in unsicheren Situationen überall im Land anzutreffen ist, erstarb fast völlig. Aufgeregt berührten sie die übrig gebliebenen Gegenstände und diskutierten über die Fotografien. Auf einem Gang kam uns einer der letzten drei noch lebenden ehemaligen Häftlinge entgegen. Samnang kannte ihn und machte uns mit ihm bekannt. Er erzählte seine Geschichte und zeigte uns seine Zelle. Samnang übersetzte. Für die Mutter und die Tanten war die Begegnung mit der eigenen grauenvollen Geschichte eine an die Grenzen gehende Erfahrung. Auch Samnang, die eigentlich ununterbrochen redet, viel es zunehmend schwer die Worte zu finden. Beim Abschied erhielten wir eine Einladung nach Battambang von ihrer Mutter. Wir drei sahen uns noch eine hochinteressante Fotoausstellung in einem der Obergeschosse an, in der Opfer und Täter mit Lebensgeschichte und der heutigen Meinung, sowie Bilder aus der Zeit der Roten Khmer und heute zu sehen waren.
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