In unserer Studienzeit leitete Dr. Danzmann, ein sehr ehrgeiziger Wissenschaftler, eine seiner Vorlesungen mit folgendem Appell gegen die mittelmäßige Studiendisziplin und mangelnde Leistungsbereitschaft ein: Er wünsche sich, dass bei jedem Arzt sein Abschlusszeugnis an der Tür hängt. Würden Sie zu einem Zahnarzt mit der Note Drei oder schlechter gehen ...?
Beispiel 1: Marie klagte schon die ganze Woche über Kopf-, Bauch- und Halsweh. Doch am Morgen war der Hals einseitig so dick, dass sie nur unter Schmerzen schlucken konnte. Das schien uns der rechte Moment das Gesundheitssystem in einem Entwicklungsland zu testen. Statt zur Schule fuhren wir in die Nagaklinik, mit der auch Maries Schule einen Vertrag hat.
An der Anmeldung erfuhren wir, dass am Morgen nur einheimische Ärzte Dienst tun. Sollten wir zu einem "Foreigner Doctor" wollen, dann müßten wir am Nachmittag wieder kommen. Um eine Angina auszuschließen schien uns auch ein Khmerarzt ausgebildet genug.
In einem winzigen Behandlungszimmer wurde als erstes die Anamnese durchgeführt. Dabei freute sich der Herr Doktor darüber, dass Marie genauso alt ist wie seine Tochter. Er fragte nach ihren Beschwerden und mit gemeinsamen holprigen Englisch füllte er den Anamnesebogen aus. dann wurde die Körpertemperatur gemessen, in den Hals geschaut (mit Holzspatel und Taschenlampe) und über der Kleidung abgehört. Das Ergebnis war ein Rezept mit einem Antibiotikum, Lutschtabletten und Vitaminen, die Schwellung am Hals als Lymphknoten identifiziert. Die Frage, ob sie denn zur Schule gehen kann, wurde klar bejaht. Auch Schwimmen ist kein Problem. Aber unbedingt die Medikamente einnehmen. Auf unserer Abrechnung für die Krankenkasse ist als Diagnose "sore throat", Halsentzündung zu lesen. Ok. Keine Angina, scheinbar nichts Schlimmes, aber trotzdem mit Kanonen auf Spatzen schießen. Ich erinnere mich an eine Zeit in meiner Kindheit, in der die Ärzte Penicillin als das Wundermittel angesehen und mit Sicherheit auch viel zu häufig eingesetzt hatten. Natürlich ist man eher auf der sicheren Seite, wenn Krankheitserscheinungen mit Antibiothika bekämpft werden, besonders, wenn die diagnostischen Möglichkeiten eher beschränkt sind. Fazit für uns: Da es erfahrungsgemäß eine Viruserkrankung ist, bekommt sie keine der empfohlenen Medikamente. Bettruhe, Grippheel und Obst sind alle Male wirkungsvoller. Falls wir uns irren, haben wir ein Antibothikum aus Deutschland mit gebracht (sehr empfehlenswert, da die Herstellung der Medikamente hier nicht ausreichend kontrolliert wird und so nicht unbedingt der entsprechende Wirkstoff enthalten sein muss) und uns von dem Arzt bestätigen lassen, dass wir dieses einsetzen könnten.
Kostenpunkt: 30$ für die Konsultation.
Beispiel 2: Stefans Augen werden alt. Eine Lesebrille wäre toll und Brillen sind hier echt billig. Um die Möglichkeit auszuprobieren schauten wir uns bei den sehr schick aussehenden Optikerläden um. Nach anfänglichem Suchen fanden wir beim ersten Optiker ein ansprechendes Gestell. Nun mussten nur noch die Augen vermessen werden. Die Gerätschaften waren den deutschen sehr ähnlich und sichtbar oft gebraucht. Allerdings gelang es dem Messenden nicht bessere Gläser zu finden, als in Stefans Brille vorhanden waren. Das verursachte Ratlosigkeit bei uns. Beim Optiker Nummer 2 ließ sich Stefan daraufhin erst einmal die Augen messen. Dieser hatte sofort die Lösung parat. Keine 2 min und schon konnte Stefan wieder vernünftig lesen. Brauchen wir nur noch ein Gestell und die neuen Brille... es gab kein Gestell. Billigste Plastik oder Drahtgestelle die weder im Schaukasten, noch an Stefans Kopf einigermaßen aussahen. Enttäuschung auch, als von uns die Frage kam, wann denn die Modelle gewechselt werden. Nie. Auf dem Nachhauseweg gab es noch einen Versuch Nummer 3. Schicke Gestelle und - auch hier keine Messung möglich. Auf Stefans Frage, warum er mit den neuen Gläsern und seiner Brille gleich gut sehen kann, kam nur noch ein Schulterzucken. Und welche Probleme entstehen beim Herstellen der Brille.
Kambodscha bleibt ein unkalkulierbares Abenteuer das immer wieder Überraschungen bereithält.
Montag, 18. Januar 2010
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen