In unserem Lieblingsreisebüro entdeckten wir ein Angebot für einen Tagesausflug in den Kiriom Nationalpark, das uns dazu inspirierte, mal wieder einen Familienausflug zu planen. Dabei fiel uns unser Treffen mit dem ungewöhnlichen deutschen Fotografen Arjay ein, der uns von seinem Romantic Cafe im Kiriom und der fantastischen Natur vorgeschwärmt hatte. Schnell kramten wir die Visitenkarte hervor und reservierten eine Unterkunft in seinem Mini Guesthouse. Da der Nationalpark sehr abgelegen ist, war es auch notwendig schon vorab Dinner und Breakfast zu bestellen, damit die benötigten Zutaten auch vorhanden waren. E-mail mit Speisekarte zu uns, Bestellung zurück, alles völlig unkompliziert. Für 95$ buchten wir einen Minivan mit Fahrer für das gesamte Wochenende.
8.00 Uhr Samstagmorgen standen wir pünktlich am Straßenrand und - kein Bus weit und breit zu sehen. Nach 10 min riefen wir unser Reisebüro an, die sofort wussten, dass wir in den Nationalpark wollten, eine Seltenheit, wahrscheinlich nicht nur in Kambodscha. Man entschuldigte sich und versprach, dass der Fahrer in 10 min vor Ort sein wird. Genau das traf auch zu, wobei der Ches des Reisebüros sich persönlich davon überzeugte, dass alles klappt, denn auch dieser Fahrer sprach kein Wort englisch.
Nach ca. 2 Stunden Fahrt erreichten wir den Kiriom Nationalpark und fuhren gleich hinauf auf den höchsten Punkt, ca. 800m, zur ehemaligen Villa Sihanouks, von der nur noch die Grundmauern und der gewaltige Kaminbereich vorhanden waren. Ein Paradies für Stefan, der sofort diverse Schätze ausgrub.

Sorgevoll beobachtet von Steffie, deren Angst vor Minen immer noch vorhanden ist. Aber keine Sorge, der Platz war sichtbar von vielen Menschen für ein romantisches Picknick benutzt worden.
Eine Besonderheit des etwa 35000 ha großen Nationalparkes ist seine Vegetation, denn hier findet man die einzigen Kiefernwälder Kambodschas.

Für uns wirkte der Anblick so irreal, dass wir wilde Spekulationen darüber anstellten, auf welche Weise sich die Kiefern hier wohl angesiedelt haben mögen. Eine Mehrheit konnte die Idee einer künstlichen französischen Plantage verbuchen. Aber vielleicht liegt es ja doch am besonderen Klima, das hier eher mediterran wirkt. Ab und an roch es fast wie zu Hause in einem wirklich heißen Sommer. Doch meist hatte man den Rauch des brennenden Unterholzes in der Nase. Auch so ein Phänomen, das wir uns nicht erklären konnten. Nachfragen ergaben ganz unterschiedliche Gründe:
- wenn man den Unterbusch jetzt abbrennt, dann gibt es später keine gefährlichen Großbrände
- das macht man hier schon immer
- durch das Verbrennen des Unterholzes stirbt auch so mancher Baum, den die Dorfbevölkerung straffrei nutzen darf, da ansonsten die Wälder im Nationalpark vor Abholzung geschützt sind und Holz sehr wertvoll ist
All das und mehr ist vorstellbar. Ungewöhnlich hingegen für unsere Vorstellungswelt war, dass sich das Feuer nicht unkontrolliert ausbreitete und wir neben rauchenden Baumstümpfen und schwelenden Bambusblättern wanderten, die Wärme noch spürten aber gleichzeitig üppige grüne Bambuswälder durchschritten, die sich surreal über dem verbrannten Boden reckten.

Eine Wanderung quer durch die Natur führte uns über einen Bergsee zu einem Bachlauf.

An einem kleinen Wasserfall, zu dem wir auch unseren Van bestellt hatten, rasteten wir. Viele Unterstände mit Händlern deuteten auf viele Besucher. Wir waren aber ziemlich allein und das am Wochenende und in der Hochsaison. Allerdings ist dieser Platz in der Regenzeit sicher sehenswerter, wenn sich die Wassermassen hinab stürzen und ein tosender Wasserfall bestaunt werden kann.

Doch die meisten Picknickplätze sahen so aus, als wenn sich schon seit Jahren niemand mehr niedergelassen hat.

Das hat zum Einen mit den wenigen Touristen und dem gestiegenen Benzinpreis zu tun, man zahlt momentan schon teilweise über einen Dollar pro Liter Super, zum Anderen aber auch mit den veränderten Interesse der Khmer. Da ist Kiriom momentan nicht "in". Gut für die Natur im Nationalpark, schlecht aber für die Menschen, die hier versuchen vom Tourismus zu leben.
Am späten Nachmittag suchten wir unser Guesthouse auf.

Es lag mitten in einem Dorf, das in der Bauweise der Hütten und der Lebensweise der Menschen so weit vom Mittelalter nicht entfernt war.

Es war das einzige weit und breit sichtbar aus Stein gebaute Gebäude. Nette Begrüßung in fließendem English, süße, saubere Zimmer und - das war Arjay besonders erwähnenswert gewesen - Toiletten nach westlichem Standart. Das dies ein Luxus ist und den eigentlichen Unterschied ausmacht, wurde uns besonders bewusst, nachdem wir die Gelegenheit hatten, ein "Homestay" zu besichtigen. Homestay ist eine preiswerte Möglichkeit in touristisch wenig erschlossenen Gebieten zu übernachten und dabei auch in den Kontakt mit der Bevölkerung vor Ort zu kommen. Man schläft in einem Raum der traditionellen Pfahlbauten, den man über eine Leiter erreicht. Die Toiletten befinden sich auf dem Hof und sind ebenfalls traditionell, also aiatische Hocktoiletten. Die Unterkunft, die wir besichtigt haben, war für maximal 8 Personen, sauber und der Eigentümer sprach gutes Englisch. So erfuhren wir auch, dass in Chambok Village über 20 Homestays angeboten werden, die pro Person 3$ kosten, wobei 0,50$ an die Communitiy abgeführt werden, die in schlechten Zeiten oder für spezielle Zwecke Rücklagen bildet. Da natürlich nicht so viele Übernachtugsgäste kommen, hat man ein Rotationssystem geschaffen, um jeden Anbieter gleiche Chancen zu ermöglichen. Unsere Zimmer kosteten 8 bzw. 5$, wobei das teurere super für 2 Personen, auch mit einem Kleinkind war. Das andere hingegen geht genau genommen nur für eine Person.

Wir versuchten es trotzdem zu dritt. Stefan schlief auf dem Boden auf einer typischen Khmermatte, wie schon hunderte Male beim campen (allerdings war er da auch noch ein paar Tage jünger) und Marie und ich versuchten auf einem kambodschanischen Feldbett, ca 90cm breit, zu nächtigen. Arjay hatte uns gewarnt und gemeint, das wäre wirklich nur was für frisch verliebte Paare. Das traf auf uns nicht so richtig zu und so ist es auch sicher nicht verwunderlich, dass es nicht gerade eine romantische Nacht im Romantic Cafe war. Einziger Vorteil, man konnte nicht herausfallen, da man unweigerlich in die durchhängende Mitte rollte.
Beim Essen hatte Arjay auch nicht übertrieben. Sein Koch ist wirklich Spitze. Allerdings gibt es in diesem Landstrich keine Stromversorgung. So saßen wir im Schein von 2 Solarleuchten, bereits bewaffnet mit den Taschenlampen, die in den Zimmern bereit lagen. Und auch für uns endete so der erste Tag faktisch mit dem Sonnenuntergang. Das Kiriom ein anderes Klima hat konnten wir auch feststellen, denn schon beim Abendbrot wurde es merklich kühler. Der Sternenhimmel war phantastisch sternenreich und in der Ferne sah man die Brände in den Wäldern als seltsame Lichtspiele.
Der nächste Morgen begann früh. Wir wollten oder konnten die Schlafstatt nicht länger als nötig beanspruchen. Und unsere junge Familie hatte ja ihren natürlichen Wecker dabei, der allerdings die gesamte Nacht auf sich aufmerksam machte. Mit dem Sonnenaufgang lebte auch die Dorfwelt auf. Der erste Kaffe war eine Überraschung. Besser kann man den in Berlin auch nicht trinken und das Zubehör inklusive Kuchenstückchen war 5-Sterne reif. Dazu gab es Müsli mit Milch und Früchten und das mitten im Nirgendwo.
Das Ausflugsziel heute sollte ein 40m hoher Wasserfall werden. Allerdings mussten wir uns diesen mit einem ca. 3km langen Wanderweg verdienen. Dabei konnten wir unglaublich viele verschiedene Schmetterlinge beobachten. Doch das Highlight bot eine ca. 50cm lange Schlange, die gern einen Frosch gefrühstückt hätte.

Unsere Neugier rettete zumindestens dem Fröschlein das Leben. Das Schlangentier war an uns nicht weiter interessiert und höchstwahrscheinlich nur mäßig giftig. Da es Stefan und vor allem Marie nicht so gut ging, war für sie die Wanderung nach der Hälfte vorbei.

Der verbliebene Rest wurde mit einem fantastischen Ausblick belohnt. Nach einer waghalsigen Kletterpartie gab es sogar noch eine erfrischende Dusche.




In der einzigen großen Unterkunft nach westlichem Standart, dem Kiriom Hill Side Ressort, stärkten wir uns und ließen vor allem Maries angegriffenen Bauch zur Ruhe kommen. Wir hatten uns zuvor im Internet informiert und empfanden die Preise ganz schön hoch. Es ist eine fantastische sehr weitläufige grüne Anlage mit komfortablen Bungalows, die für 2 Personen mit 65$ veranschlagt werden. Zusätzlich sind da eine Vielzahl von Annehmlichkeiten und Freizeitmöglichkeiten, wie Tennisplatz, Sauna und Pool, in dem unsere Wasserratte Theo noch einige Runden drehte. Für uns sah alles sehr verlassen aus, obwohl man uns versicherte, dass noch vor wenigen Minuten Restaurant und Pool voll waren. Genauer durfte man allerdings auch hier nicht hinsehen, denn so eine noble Anlage bedarf auch gründlicher, regelmäßiger Pflege und da hat man noch Reserven.
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