Freitag, 23. April 2010

Stone Forest

Frühes Aufstehen war angesagt, wollten wir doch den Bus in der Eastern Busstation erreichen. Für den Taxifahrer ließen wir uns die entsprechenden Schriftzeichen aufschreiben. Für die Busstation hatten wir sie schon. So ist das Komplizierte, dass wir immer noch nicht über unseren Zeichenvorat von 2 Zeichen hinaus kommen, ganz einfach. In der neuen, modernen und sehr großen Eastern Busstation halfen unsere mitgebrachten Zeichen nichts. Die vor unserem Schalter versammelten Servicefrauen, riefen nach Derjenigen verzweifelt, die Englisch konnte und schon ging alles unkompliziert. Nur noch überall die Tickets vorzeigen und schon wird man in den richtigen Bus gesetzt. Wir fuhren durch eine unglaublich hügelige Landschaft mit vielen Terassenfeldern. Kein Stück Erde schien ungenutzt. Allerdings konnten wir nun auch die Auswirkungen der Trockenheit sehen. Das Meiste schien nicht bewässert zu werden und so beherrschte vorallem das Bild der roten Erde die Landschaft.Der Stone Forest war die Endstation. Wir wurden direkt vor dem UNESCO-Weltkulturerbe ausgeladen. Unsere Sorge die richtige Haltestelle zu finden damit unbegründet und diese Busfahrt ein geringeres Abenteuer als angenommen. Der Nationalpark Steinwald liegt im autonomen Landkreis der Yi-Minderheit in Shilin in der Provinz Yunnan, etwa 80 Kilometer südöstlich von Kunming. Das Gebiet umfasst eine Fläche von 350 Quadratkilometern.
Die Eintrittspreise sind heftig. 170 Yuan pro Person, für Marie 130, "Modellarbeiter" (Aktivisten) erhalten freien Eintritt. Die Chinesen scheinen damit keine Probleme zu haben. Sie zahlen das Gleiche und man sieht sie hier in großen Scharen. Wieder standen kleine Elektrofahrzeuge bereit, die von traditionell gekleideten Frauen (wieder Frauen) gesteuert wurden. Da diese jedoch nur auf der Hauptsraße um den Steinwald herum fahren, entschieden wir uns für einen Fußmarsch, gemeinsam mit den Tausend anderen meist chinesischen Touristen. Natürlich wollten wir den Massen entfliehen und diese unglaublichen Karstfelsen für uns allein genießen. Es dauerte wirklich nur ein paar schmale Felsdurchgänge und wir waren die meiste Zeit für uns. Tiefe Schluchten, wundervolle Blicke, Felsformationen mit den verrücktesten Namen (2 sich fütternde Vögel, Elefant auf der Plattform, die auf den Ehemann wartende Ehefrau) kennzeichnen dieses geologische Wunderwerk. In den letzten 300 Millionen Jahren hat der Steinwald in Folge von Bewegungen in der Erdkruste einen Wandel vom Meer zum Festland und vom Tiefland zum Hochland erlebt. Die ursprünglichen Kalksteinformationen, die im Meer entstanden sind, haben sich zu einer Art Steinwald geformt. Während seiner Entstehung wurde der Steinwald von vulkanischer Lava und von Seewasser bedeckt.Auffallend und unerwartet standen überall Abfallbehälter, sogar mit Recyclingbox, Serviceplätze an denen Guides einem weiterhelfen konnten oder Serevicetelefone. Alles ist super organisiert und auch Videoüberwacht, damit niemand verloren geht?
Wir kletterten Treppen hoch und runter, klemmten uns durch schmalste Felsspalten und genossen die sich stetig verändernden Ausblicke. In den 4 Stunden der Wanderung liefen wir nur ca. 5m doppelt und hatten mit Sicherheit nur einen kleinen Teil der geologischen Legende gesehen.Nebenbei trafen wir hier auf Vertreter der Yi, eine der 56 anerkannten Minderheiten Chinas, die zu den Ahnen der Tibeter gehören sollen. Traditionell gekleidet führten sie Volkstänze auf. Es sah sehr schön aus, die Musik war außergewöhnlich und phantastisch. Sie erinnerte im Rhytmus eher an die nordamerikanischen Minderheiten. Förderung des kulturellen Erbes oder Zwangsveranstaltung wie Kritiker meinen?
Unsere Kinder stachen auch hier alle Sehenswürdigkeiten als beliebtetes Fotoobjekt aus.

Donnerstag, 22. April 2010

Kunming - Hauptstadt von Yunnan

Erster Eindruck
Unser Hotel offerierte ein kleines feines Frühstücksbuffet, auf dem auch für den westlichen Geschmack etwas zu finden war. Um mit unserem Zurückgebliebenem in Kontakt zu bleiben, war unsere erste Aufgabe eine SIM-Karte zu besorgen. Per Pedes machten wir uns nach einer Wegbeschreibung des Hotels auf den Weg und waren erfolgreich. Wir waren in Kunming angekommen. Kunming ist die Hauptstadt der Provinz Yunnan und liegt in deren Mitte auf einem Plateau ca. 2000m über dem Meeresspiegel und nördlich des Dianchi Sees von drei Seiten umgeben von Bergen. Auf Grund dieser Lage hat die Stadt das ganze Jahr über ein recht mildes Klima und wird im Volksmund auch als "Stadt des ewigen Frühlings" bezeichnet. Für uns schienen die 26°C doch recht frisch und wir waren froh, warme Jacken eingepackt zu haben. 8 Millionen Menschen sollen in der Hauptstadt Yunnans leben. Natürlich sahen wir die Mietskasernen und Neubauviertel und es wird weiter gebaut, aber die Straßen kamen uns nicht überfüllt vor. Selbst der Verkehr floss stetig und man sah viele Taxen, Busse, einige Mittelklasse Autos und ausschließlich Elektromopeds (kosten hier nur 300-400€). Ein Hingucker sind die vielen Elektroautos der Polizei auf Kunmings Straßen. Sie sehen aus wie große Golfcars und sollen ganz schöne Geschwindigkeit machen.
Auf einer Karte von Kunming entdeckten wir einen grünen Flecken und erklärten diesen zum Tagesziel. Erster Versuch öffentlicher Nahverkehr. Keine Ahnung wie hoch hier die Beförderungskosten sind, zahlten wir 2 Yuan pro Person beim Einsteigen. Später fanden wir heraus, dass eine Fahrt 1 Yuan kostet. Nun hieß es gut beobachten, wo es hingeht, denn die Schilder an dem Bus können wir nicht lesen. Leider nahm unser Bus schon die übernächste Abbiegung in die falsche Richtung. Den nächsten Versuch unternahmen wir mit einem Taxi. Am Steuer eine Frau, wie schon beim Bus. Darauf achtend stellten wir fest, dass hier sehr viele Frauen hinter dem Lenkrad zu finden sind. Das Taxi fährt mit einem Startpreis von 8 Yuan los, der sich erst nach einigen Kilometern erhöht. (10 Yuan sind ca. 1€) Für unsere Strecke blieben wir sogar im Basispreis. Wir stiegen an einem großen buddhistischen Tempelkomplex aus. Das Yuantong Kloster bestand aus einer weiträumigen Anlage und vermittelte uns den Eindruck endlich in China angekommen zu sein.
made by Marie
Wir waren erstaunt, wie gut dieser religiöse Ort besucht war, von Jung und Alt.
Nur ein paar Schritte weiter fanden wir den ZOO von Kunming. 1950 gegründet schienen uns die Käfige der Tiere auch noch aus dieser Zeit zu stammen. Die Unterbringung ist schäbig, klein und oft auch dreckig. Für Theo war es sein erster bewusster ZOO-Besuch und er war sichtlich fasziniert. Der "ewige Frühling" ließ auch hier alles blühen und wir erfreuten uns zumindest an einer liebevoll gestalteten Parkanlage. Neben Tieren und Blumen gab es jede Menge Attraktionen, Schmetterlingshalle, Dinosaurierpark, Rummel...
Das Highlight des Tages war dann die große Wasserrutsche. Natürlich mussten wir 3 Mädels diesen Adrenalinkick ausprobieren. Marie war so begeistert, dass sie gern ein weiteres Mal gefahren wäre und selbst 10 Tage später bei unserem 2. Aufenthalt in Kunming die "Achterbahn" ganz oben auf ihre Wunschliste setzte. Theo erlebte sein erstes Karussel und genoss eine Raupenfahrt. Auf unserer Fahrt durch die Stadt fielen uns die unzähligen Solaranlagen auf den Dächern alter, wie auch neuer Häuser auf. Unsere Recherche ergab, dass im Juli 2008 ein Programm begonnen wurde, nach dem die Solarenergie der Stadt bis zum Jahr 2013 zu einer Solar-Basis von 8,8 Mrd. US$ ausgebaut werden soll (mittlere Sonnenschein-Dauer pro Jahr beträgt mehr als 2.400 Stunden, damit besteht ein Potenzial von 1.500 kWh Solarenergie) Mittlerweile werden 60-70% des Warmwasserbedarfs solar gedeckt. Dadurch kostet eine Anlage umgerechnet 200€ und spart im Jahr Kosten in Höhe von 1000€ ein. Bei solchen Initiativen ist es nicht verwunderlich, dass Versuchsweise ein Umweltgerichtshof eingerichtet werden soll und viele Landwirte auf biologische Landwirtschaft setzen. Man spricht von einer Solarcity, auch weil die Weltgartenbauausstellung 1999 die erste Eco-Stadt in China beherbergt.
Andererseits, ist Yunnan vom Klimawandel stark betroffen. Derzeit erlebt die Region die schlimmste Dürrekatastrophe. In den Medien werden die Menschen zum Wasser sparen aufgefordert und allgegenwärtig sind in den Läden T-Shirts mit Bekenntnissen zum umweltgerechten Verhalten.

Ausflug zu den Westbergen

Da wir noch einen Tag bis zu Tobis Ankunft überbrücken müssen, haben wir uns am zweiten Tag unseres Kunming-Aufenthaltes entschlossen in die Westberge zu fahren. Die Westberge befinden sich 15 km außerhalb von Kunming. Die Bergkette erstreckt sich über 40 km und erreicht Höhen zwischen 1900 und 2350 m. Von einer netten englisch sprechenden Reisebürofrau, bei der wir auch gleich die Flüge nach Lijiang buchten, erfuhren wir, mit welchen Bussen wir unser Ziel erreichen können. (Bus 5 bis zur Endhaltestelle und dann Bus 6 bis zum Endpunkt auf dem Berg) Ganz so einfach war es dann doch nicht. Am Endpunkt der Linie 5 gab es keinen Bus Nr.6. Glücklicherweise sprach eine Frau am Busbahnhof Englisch, so dass sie uns die Richtung und die nächste Busnummer, 54, nennen konnte. Mir dieser erreichten wir dann die Nr.6. An der Haltestelle dieses Busses sorgten sich drei ältere Herren energisch, mit Händen und Füßen darum, dass Theo warm genug eingepackt wurde. Die Busse wurden immer kleiner und am Fuße des Berges wurde uns ein sehr kleiner Bus für 10Yuan/Person angeboten, um zum großen Touristenplatz auf dem Westberg zu gelangen. Wir verzichteten, schließlich wollten wir einen Spaziergang in der Natur genießen. Die erste Karte von der Gegend machte uns deutlich, dass das mit dem Spaziergang zu einer echten Wanderung auswachsen könnte. Wir waren fit, gut ausgerüstet und Theo schlief im neugekauften Buggy. Doch nach 2km bergauf waren wir froh, dass solch ein ganz kleiner Bus hielt und uns die Fahrt nach oben ermöglichte. Jetzt zahlten wir 10 Yuan für uns alle. An der Gondel- und Sesselliftstation war die Fahrt zu Ende. Wir stärkten uns mit den leckeren Yunnankartoffeln, Kartoffeln in Scheiben, Stücken oder im Ganzen, in Öl frittiert, am Spieß oder ein Becherchen voll, gewürzt mit sauerscharfer Soße und Chilli. Dafür ist die Gegend berühmt und sie waren eine sichere und garantiert leckere Versorgungsquelle auf der ganzen Reise. Ein Elektro"bus" brachte uns zum Eingang in den Drachentorpark. Für 40Yuan/Person betraten wir eine phantastische Felslandschaft mit herrlichen Ausblicken, kleinen Tempeln und unendlich vielen Treppen. Der Sage nach soll ein Mönch vor ca. 200 Jahren die Höhlen und Pavillons aus dem Felsen gemeißelt haben. Als er bemerkte, dass er sein ergeiziges Werk nicht zu Ende führen kann, stürzte er sich in die Tiefe. Seine Verlobte weinte darüber so sehr, dass daraus der fast 300km² große Dianchi-See, dessen gegenüberliegendes Ufer nicht zu sehen ist, entstand. Um einen kleinen Vorgeschmack auf unser nächstes Ausflugsziel zu bekommen, erklommen wir noch den kleinen Steinwald. Ganz anders als die anderen Asiaten sind die Chinesen gut zu Fuß und wanderfreudige Leute und daraufhin auch hier in großer Zahl anzutreffen. Trekkingausrüstung bekommt man in China in vielen Geschäften in sehr guter Qualität und auch zu kleinen Preisen, so dass wir uns mit sehr guten Wanderschuhen (ca. 20€) ausstatten konnten. Beliebtestes Fotoobjekt waren jedoch Theo und Marie. Den "Abstieg" übernahm die Sesselbahn, die Fahrt zum Hotel ein Privat-PKW, dessen Fahrer sich ein paar Yuan dazu verdienen wollte. Dabei erleichterte uns unsere Hotelvisitenkarte (Please take me to Camellia-Hotel. Thanks! auf Chinesisch) die garantierte Ankunft.

Anreise nach Kunming

Zurück von einer atemberaubenden Reise in ein Land, dass sich uns ganz anders präsentierte als wir es vermutet hätten, wollen wir nun unseren Reisebericht veröffentlichen.
Vergesst alles, im Positiven und Negativen, was ihr über China gehört habt. Es ist anders.
Von allen Gerüchten können wir bestätigen, dass man das Internet nicht vollständig nutzen kann. Unser Blog wurde wie auch z.B. Facebook gesperrt.
Sonst hätten wir uns sicher einmal zwischendurch gemeldet. :-))
Am 09. April ging es endlich los, doch leider ohne Toby. Da das Wochenende dazwischen liegt, wird er erst am Montag nachkommen können. Das Flugzeug von Eastern China war super klein, 62 Sitze, und war super pünktlich. Die Einreise erfolgte bei einem Zwischenstopp in Nanning. Es war völlig unkompliziert. Marie schaffte es sogar mit einem Lächeln den Grenzbeamten zu überzeugen seinen Stempel auf eine fast volle Seite ihres Passes zu setzen. Auffallend der Bewertungsknopf am Schalter des Beamten, der natürlich einen lachenden Smile erhielt. Da die Maschine gleich wieder starten wollte, wurden wir von freundlichen Beamten durch das Wirrwar des Flughafens durchgeleitet. Nach der Landung in Kunming kam unser Gepäck zeitgleich mit uns an. Der Service war grandios. Per Taxi und mit einem Ausdruck auf Chinesisch fuhren wir direkt zu unserem vorgebuchten Hotel, dem Camellia. Dieses Hotel liegt zentral in der Stadt und hat, was nicht selbstverständlich ist, Englisch sprechendes Personal. Wir bezogen unsere Familiensuiten und waren angenehm überrascht ob der Geräumigkeit der Zimmer mit westlichem Bad. Den ersten Test unserer Chinesisch Kenntnisse bestanden wir in einem kleinen Suppenrestaurant. Alle Sonderwünsche schafften es auf unseren Tisch. Die Chinesische Küche ist schmackhaft, aber sehr fettig. Freudig überrascht waren wir, als wir im Fernseher unserer Suite Deutsche Welle TV entdeckten. Endlich mal wieder deutsche Nachrichten und das tagesaktuell.

Dienstag, 6. April 2010

Abenteuer China (2)

Als hätten wir es nicht geahnt. Von Anfang an hatten wir ein ungutes Gefühl, das Maries Pass einfach zu wenig Seiten besitzt für die vielen Stempel und Visa-Aufkleber. Schon bevor wir nach Vietnam reisten fragten wir in der deutschen Botschaft nach, wie wir uns am besten verhalten sollten. Es war ein Erlebnis der etwas anderen Art. War der Pförtner der Botschaft super nett, glich das Nachfolgende einer Episode aus der DDR-Zeit. Der Warteraum mit dem Charme der 70er, lieblose Ausstattung, veraltete Broschüren der abgewählten Bundesregierung. Zwei Schalter, die mit einer Art Gegensprechanlage versehen sind dienen zur Kontaktaufnahme. Dabei muss der Besucher so laut reden, dass der gesamte Warteraum alles mitbekommt. Im Gegenzug schallt dann auch die Antwort. Eine entwürdigende Atmosphäre. Unsere "Beratung" fand nicht statt. Statt dessen drückte man uns Antragsformulare für einen neuen Pass in die Hand und ein Merkblatt, auf dem alles stehen soll. Nachfragen zwecklos. Wutentbrandt verließen wir das "Aushängeschild" unserer Regierung in Kambodscha. Stefan verfasste gleich einen Bechwerdebrief an den Botschafter. Alle waren der Meinung, dass wir nie eine Antwort erhalten würden. Aber weit gefehlt. Einen Tag später kam die Email vom Botschafter persönlich, mit einer Entschuldigung und einem Erklärungsversuch.
Da die Pässe mit Ausstellungsort Phnom Penh ein kleines Vermögen kosten und unser Reisebüro uns versicherte, dass die letzten 2 freien Seiten für China auf jeden Fall reichen werden, sparten wir uns jegliche bürokratische Mühen.
4 Tage braucht ein normales Touristenvisum für China. Vorsichtig wie wir sind, beantragten wir selbige bereits am letzten Märztag. Und das war keinen Tag zu früh. Am 01.April arbeitet die chinesische Botschaft nicht und auch der 05.04. ist ein chinesischer Feiertag. Es sind also noch genau 4 Arbeitstage bis zu unserem Abflugtag. Plötzlich erhielten wir einen Anruf. Maries Pass hat keine Seiten mehr, die für Stempeln oder Visa benutzt werden dürfen. Wer von euch wusste, dass die letzten zwei Seiten anders beschriftet sind? Na wir jedenfalls nicht und wurden mutlos. Was sollen wir tun, die Flüge stornieren, die Reise abblasen? Auf jeden Fall riefen wir erst einmal die deutsche Botschaft an. Sie hätte dieses mit einer vernünftigen Beratung verhindern können. Die Telefonstimme verkündete, dass die Botschaft geschlossen ist, na super, aber es gab auch eine Notfallnummer die wir sofort anwählten. Nach einem freundlichen Gespräch sahen wir wieder etwas Licht am Ende des Tunnels. Es gibt, auch wenn es nicht so offensichtlich propagiert wird, die Möglichkeit einen Vorläufigen Pass bei der Botschaft direkt ausstellen zu lassen, der allerdings dann nur ein Jahr lang gültig ist. Aber schaffen wir das alles noch und werden die Chinesen den Vorläufigen Reisepass akzeptieren?
Unabhängig davon, riefen wir schon mal in der Stadtverwaltung Beelitz an, um eine Ermächtigung zur Ausstellung eines Passes einzuholen. Dank moderener Kommunikationstechnik und natürlich super freundlicher Menschen, war der Teil problemlos. Am nächsten Morgen mussten wir allerdings wieder in unsere Botschaft. Hier löste unser Name schon beim Pförtner äußerste Dienstbeflissenheit aus. Diesmal sahen wir den unfreundlichen Warteraum gar nicht. Es ging direkt ins Büro der 2. Sekretärin der Botschaft. Natürlich war unsere Beschwerde hier noch present und nochmals gab es entschuldigende Worte. Wieder mal hauptsächlich eine Geldfrage, was sicherlich nicht auf die mangelnde Beratung zutrifft. Man habe aber unsere Beschwerde an das Auswärtige Amt weitergeleitet.
Überrascht hat uns die Botschaftsmitarbeiterin jedoch mit ihrem Lösungsvorschlag für unser Problem. Man könnte die letzten zwei Seiten "umwidmen" und mit einem Stempel der Botschaft versehen. Gemacht habe sie es schon, aber was sagen die Chinesen dazu?
Wir versuchen es und bekommen parallel dazu die Mobilnummer und das Angebot einen Vorläufigen Pass am Karfreitag in der geschlossenen deutschen Botschaft anfertigen zu lassen, wenn wir keinen Erfolg haben. Was plötzlich so alles möglich ist!?
Die Chinesen werden ein Visum einkleben, so versicherte uns der Reisebürochef, nachdem sein Mitarbeiter eine Auskunft in der völlig überfüllten Chinesischen Botschaft erhielt. Werden wir jetzt doch alle gemeinsam am Freitag im Flieger nach Yunnan sitzen?

Montag, 5. April 2010

Abenteuer China

Noch bevor wir unsere Reise nach China angetreten haben, geben sich Spannung, Katastrophe, halbe Ohnmacht und freudige Überraschung täglich die Hand, wechseln nur ihre Rang- und Reihenfolge.
Bereits Anfang März erkundeten wir die Reisemöglichkeiten. Ein so genannter Direktflug, via ? in die Provinzhauptstadt Kunming wurde uns zu einem unschlagbar günstigen Preis angeboten. Das wollten wir uns nicht entgehen lassen und sofort buchen, doch der "kambodschanische" Teil der Familie wusste noch nicht, wie lange man der Arbeit fern bleiben kann. Also planten wir die Flüge zu reservieren. China Airlines lässt Reservierungen für einen Tag zu. Da wir aber auf dem Sprung nach Vietnam waren und Entscheidungen mehr als einen Tag brauchen, bot uns unser super nettes Reisebüro an, die Flüge immer wieder neu zu buchen.
Zurück aus Vietnam, alle Entscheidungen gefällt wollten wir nun die Flüge buchen. Doch nichts ging mehr. China Airlines machte neue Verträge und es waren keinerlei Buchungen mehr möglich. Wir wurden um eine Woche vertröstet. Insgeheim drückten wir die Daumen, dass die Preise wenigstens annähernd blieben. Bei dem versuchten Buchungsvorgang entdeckten wir jedoch, dass Tobys Pass nur noch 2 Monate gültig ist. Um ein Visum für China zu bekommen, ist es notwendig, dass der Pass noch 6 Monate gilt. Was nun? Es musst schnellstens ein neuer Pass her. Wir hatten den 16. März. 18 Werktage bis zum Abflug. Nun bekommt man nicht so einfach einen kanadischen Pass. Man muss Papiere ausfüllen, Kopien herstellen, spezielle Passfotos machen lassen, einen Bürgen finden und seine Originaldokumente einschicken. Ja, ihr habt richtig gelesen ein Bürge. Das muss zwar kein Kanadier sein, aber er muss erstens den Antragsteller mindestens 2 Jahre kennen und von Beruf Bürgermeister, Jurist, Polizist oder Arzt sein. Zum Glück geht Toby seit einigen Jahren zum selben Zahnarzt, der übrigens richtig stolz war, als er von seiner Aufgabe erfuhr. Nächstes Problem, es gibt keine kanadische Botschaft in Phnom Penh. Kanada wird aus unerklärlichen Gründen von Australien vertreten, die aber keine Passformalien abwickelt. Die Nächste ist in Bangkok und mit einem automatischen Telefonauskunftssystem ausgestattet, welches es einem von Hause aus höflichen Kanadier unmöglich macht menschlichen Kontakt herzustellen. Doch selbst ist der Mann und wozu gibt es das World Wide Web, auch die Kanadische Botschaft in Thailand hat eine Homepage, auf der man alle notwendigen Informationen erhält und die Formulare herunter laden kann. Bearbeitungszeit, denn der Pass wird natürlich in Kanada gedruckt, 15 Werktage. Alle Unterlagen und der Originalpass sind nun eingetütet und mit, ohje nicht DHL für 50$, sondern einem kambodschanischen Kurierdienst für den Bruchteil der Kosten, unterwegs. Niemand weiß ob und wann alles in Bangkok ankommt, wann und ob der neue Paß hier eintrifft. Kurzzeitig wurde überlegt einen der ortsansässigen Paßfälscher in Auftrag zu nehmen. Es wäre billiger und schneller gewesen und auch die Staatsbürgerschaft hätte man sich noch aussuchen können. Wir wissen jetzt jedenfalls, warum es so wenige Kanadier gibt. Wir erkundeten schon mal, wie man am Einfachsten Tobys Flug umbuchen kann. Hier ist China Airlines sehr großzügig. Die erste Umbuchung ist sogar kostenfrei, sofern ein Platz frei ist. Notvariante: Zusammentreffen in Kunming oder Linjang. Immerhin bot die chinesische Botschaft gegen einen Aufpreis von 30$ ein Expressvisum an, dass man innerhalb eines Tages erhält.
Mittlerweile hat sich die Botschaft gemeldet und der neue Kanadische Pass soll am Ende der Woche in Bangkok eintreffen. Vielleicht fliegen wir ja doch noch gemeinsam? Es bleibt spannend! Aber... (Abenteuer China Teil 2)

Sonntag, 4. April 2010

Ostersonntag in Phnom Penh

Das Ostern ein christlicher Brauch ist und damit in Asien nicht den Stellenwert hat, war uns klar. Interessant hingegen, dass für uns so selbstverständliche Traditionen, wie das Ostereiersuchen, ein eher deutscher Brauch ist. Da stellt man sich dann schon mal die Frage, warum wir unsere Ostereier eigentlich suchen? Im allwissenden Internet wird diese Tradition auf Goethe zurück geführt. Das würde zumindest erklären, warum es ein typisch deutscher Brauch ist.
Die kleine deutsche Gemeinschaft mit kleinen Kindern und alle ihre Freunde hier in Phnom Penh wollen heute eine Osterparty feiern. Um 16.00 Uhr begaben wir uns mit Katrin und Theo, leckerem selbstgemachten Kartoffelsalat und Buletten und unseren tollen Ostereiern zum Embassy Place. Hier in dieser Appartementanlage mit Swimmingpool und Grillplatz trafen wir uns. Nach einem Sonntagskaffee im kleinen Kreis, wurde für die Kleinen versteckt. Während sich manche Kinder mit einem gefundenen Ei zufrieden gaben, sich ans öffnen und essen machten, sammelte Theo, nachdem er den Vorgang begriffen hatte, alle versteckten Eier ein. Gegen 18.00 Uhr kamen dann die restlichen Gäste. Es gab interessante Gespräche und Leckeres vom Grill. Auch die Kinder waren glücklich, gabe es doch einen schönen Pool. Für die größeren Kinder versteckte Marie, gemeinsam mit einem anderen älteren Jungen, dann nocheinmal ein paar Kleinigkeiten, die dann mit Taschenlampen gesucht wurden. Die Verstecke waren zum Teil so gut, dass sich einige damit den ganzen Abend beschäftigten.

Samstag, 3. April 2010

Was ist Ostern ohne bunte Ostereier?

Also Eier haben wir hier in Kambodscha reichlich und einige davon sind schon von Natur aus schön bunt, sogar rosa Eier (die Hühner werden mit Krabbenschalen gefüttert) und für die Gothicfans auch schwarze.
Manches davon trifft nicht ganz unseren Geschmack und so besannen wir uns darauf, schon mal was von Naturfarben gehört zu haben. Nochmal schnell das alles wissende Internet befragt und schon hatten wir eine Einkaufsliste zusammen. Rote Beete, Kurkuma und Spinat, dass muss doch auch hier auf den Märkten zu kaufen sein. Und ja, wir hatten Glück, trafen auf eine englisch sprechende Marktfrau und hatten unsere Naturfarben beisammen. Nun fehlte es tatsächlich an den Eiern, denn in den Supermärkten gab es nur braune und ob die die Farbe annehmen? Eier vom Markt, letzte Chance, wenn auch hinsichtlich Geschmack und Frischegrad eher fragwürdig. Um nicht auch noch Enteneier oder gar kleine Kücken im Ei, die hier sehr beliebt sind, zu erwischen, ließen wir uns von unserer Marktfrau des Vertrauens einen Eierstand empfehlen.
So ausgerüstet machten wir uns an die Arbeit, schnippelten und rieben. Zumindest die Finger färbten sich bereits.
Erster Versuch mit roter Beete. Wir kochten die Eier direkt im Sud mit, der richtig schön tief rot war. Das Ergebnis war niederschmetternd. Nichts! Nicht mal ein Hauch. Was haben wir bloß falsch gemacht, hat doch das WWW gerade rote Beete erfolgversprechend beschrieben. Da wird es wohl mit Spinat noch schlechter aussehen, denn das zarte Grün des Sudes ließ wenig Hoffnung zu. Nur Kukuma, Gelbwurz, hielt was ihr Name versprach.
Doch wir gaben die Hoffnung nicht auf. 2 Eier schmierten wir mit Henna ein und den Rest ließen wir über Nacht im Sud liegen. Im Ergebnis haben wir natürlich gefärbte Eier, die sich sicher den natürlichen Umgebungsfarben so gut anpassen, dass die Suche spannend wird. Wobei die rote Beete Eier nicht mit Wasser in Berührung kommen dürfen.

Dagegen war der Schokoladenosterhase ein Kinderspiel. Hier gibt es einen belgischen Schokoladenladen mit verführerischer Auswahl an selbsthergestellten großen und kleinen schokoladigen Kunstwerken.