Freitag, 12. März 2010

Mui Ne

Ausgerüstet mit leckerem Gebäck vom Straßenstand (1000VND/Stück ca 5cent) und Cappuccino begann unsere Fahrt nach Mui Ne pünktlich um 8.00 Uhr. Lange Zeit begleiteten uns die Ausläufer von HCMC. Die anschließenden kleineren Orte schienen hauptsächlich christlich geprägt, da wir nicht nur viele, teilweise riesengroße Kirchen erblickten, sondern auch Marien- und Jesusfiguren an einer Vielzahl von Häusern. Diese überlebensgroßen Figuren standen auf den Balkonen oder Dachterassen. Manchmal als Gruppe von Heiligen. Kurz vor der Küste veränderte sich die Flora. Bedingt durch die anhaltende Trockenheit, selbst in der Regenzeit fällt kaum nennenswerter Regen, wachsen hier besonders gut Kakteengewächse. So konnten wir große Drachenfruchtplantagen entdecken. Maries Kommentar dazu: "Sieht aus wie Erdbeerfelder bei uns." Die Drachenfrucht ist die Frucht einer Kakteenart, die ca 1,50m hoch wird und von weitem wie Trauerweiden wirken. Drachenfrüchte kann man auch in Deutschland kaufen und es würde uns nicht wundern, wenn sie aus Vietnam stammen. Sie haben eine auffallende pinkfarbene Schale, die in ihrer Form an einen Drachen erinnert. Im Inneren befindet sich weißes Fruchtfleisch durchsetzt von kleinen schwarzen Kernen. Der Geschmack ist nicht so umwerfend, wir würden sagen, sie hat keinen Geschmack. Es gibt auch eine Sorte, die pinkfarbenes Fruchtfleisch hat. Die hat uns besser geschmeckt, sie war viel süßer.
Ca. 13.00 Uhr erreichten wir Mui Ne, ein Badeort, dem das ehemalige arme kleine Fischerdörfchen nicht mehr anzusehen ist. Die Mui Ne Lodge, eine winzige Oase in der Wüste der Luxusressorts, war unser erster Anlauf und ein Treffer. Ein Bungalow direkt am Strand, ganz hell, freundlich und sauber für 25$. Die ganze Anlage ist zauberhaft gestaltet und schattig. Allerdings hatten wir den Eindruck, dass sie schon mal bessere Zeiten erlebt hat. Die Internetecke war verweist und in der Küche tummelten sich die Katzen. Man konnte zwar noch alte Speisekarten finden, aber das Restaurant wurde schon lange nicht mehr geführt. Da die gesamte andere Straßenseite sich dem leiblichen Wohl der Badegäste verschrieben hat, war für uns dieser Ort perfekt. Es passte gut in unseren Zeitplan, dass gleich zwei fahrbereite Mopeds inklusive Helme zum Mieten parat waren (140000VND für beide den halben Tag). So machten wir uns sofort auf den Weg zu den Dünen. Die Wegbeschreibung im Reiseführer klang so einfach, doch da man auf Straßenschilder weitgehend verzichtet hat, drehten wir in Mui Ne ein paar extra Runden. Die Küstenstraße ist sehr gut ausgebaut und nicht nur für vietnamesische Verhältnisse leer. Zeitweise waren wir die einzigen Fahrzeuge auf diesem Highway. Nur ab und zu überholten uns Jeeps, die uns die Sicherheit vermittelten noch auf dem richtigen Weg zu sein, da Jeeptouren zu den Dünen eine beliebte Touristenattraktion sind. Obwohl uns ein ausreichender Tankinhalt zugesichert wurde, war mitten im Nirgendwo für eine der Maschinen die Fahrt zu Ende. Stefan fuhr zurück zum letzten Ort und brachte einen BEUTEL voll Benzin, das wahrscheinlich das teuerste Benzin war, das wir je gekauft haben. 1 Liter für fast 2€, der sonst in Vietnam nicht mal 0,70€ kostet. Habt ihr schon einmal versucht einen Beutelinhalt in eine kleine Tanköffnung zu bekommen? Spannend.Die weiße Düne war wirklich sehr beeindruckend. Schön wie gemalt und von einem See, den Ban-Ba See oder auch "Lotussee" oder "weißer See" begrenzt, der wohl bald nicht mehr existieren wird. Ein kleines Stück Sahara. Strahlend weißer feiner Sand und meterhohe Dünen. Kinder boten Plastikunterlagen an, mit denen man die Hänge hinunter rutschen konnte. Mit einem Ritt auf einem Pony konnte man seinem Nachwuchs den erschwerlichen Aufstieg ersparen. Wenn man dann den Kamm einer solchen Düne bestiegen hatte konnte man hinaus aufs Meer blicken. Wir genossen die ideale Zeit, den späten Nachmittag. Die Sonne senkt sich und der Sand ist nicht mehr heiß, so dass man ihn barfuß genießen kann. Allerdings muss man sich jetzt diese Sandberge mit den vielen Jeeptouristen teilen.Auf der Rücktour packten wir die Gelegenheit beim Schopfe und lösten unser Versprechen ein, Marie in die Künste des Mopedfahrens einzuweihen. Eine einigermaßen abgelegene Straße war schnell gefunden. Unser kleines Naturtalent wollte gar nicht mehr aufhören und am liebsten alleine. Das dürfte wohl ihr "schönstes Ferienerlebnis" gewesen sein.
Letzter Stopp, bevor die Sonne im Meer versinkt, die roten Sanddünen. Diese von ihrem eher rötlichen Sand gekennzeichneten Dünen liegen ganz Nahe der Strände von Mui Neh. Wir kamen gerade rechtzeitig, um die vielen Touristen zu bestaunen, die auf das perfekte Foto warteten. Die Szenerie wirkte so etwas von Langweilig, dass wir, um zu spüren, dass wir noch leben, ordentlich in diesem herrlich großen Sandkasten herum tollen mussten. Wir rannten die Dünen hinunter und boten uns als alternatives Fotoobjekt feil. Selbst Marie "spielte" mit.Bei so viel Highlights war das Essen auf der Strecke geblieben. Mit entsprechend hängendem Magen kehrten wir in eines der vielen Restaurants der anderen Straßenseite ein. Sofort wurde unsere Tochter belagert. Woher, wie alt und soooooo hübsch.
Nach einem wirklich leckerem Mahl befreiten wir uns aus der "herzlichen Umarmung" und kehrten in einen extrem runtergekühlten Bungalow ein. Obwohl man uns den Bungalow ohne Klimaanlage verkauft hatte, ließ sich selbige eher nicht abschalten. Marie fand es wundervoll, besonders, dass man sich so herrlich unter die dicken Bettdecken kuscheln konnte.

Donnerstag, 11. März 2010

Vietnam 2

Marie hat ihre 2. Termtestwoche hinter sich gebracht. Wie schon beim ersten Mal jeden Tag mindestens 2 Tests. Für Kunst war ein Hausmodell zu fertigen, was auch uns Fertigkeiten abverlangte. Mal sehen, wie sie dieses Mal abgeschnitten hat. Die Urkunde für den 7. Platz im ersten Termtest ziert ihren Schreibtisch. Nun sollte sie außerplanmäßig mal ein paar Tage Ferien genießen dürfen. Vietnam hatte Appetit auf mehr gemacht und so fuhren wir also zu dritt nach HCM-City. Wir hatten uns für die preiswerte Variante für 9$ pro Person entschieden und wurden nicht enttäuscht. Es gab Gebäck und Wasser und bequeme Sitze. Die Pässe wurden ebenfalls eingesammelt und die Einreise organisiert. Dabei mussten wir darauf achten, dass Maries Pass auch nach dieser Reise noch 2 freie Seiten hat, damit sie auch weiterhin noch andere Länder besuchen kann. Entgegen aller Befürchtungen waren wir sogar schneller und kamen mit nur einer Stunde Verspätung in Ho-Chi-Minh-City (HCMC) an. Gewohnheitstiere, die wir nun einmal sind, mieteten wir uns im selben Guesthouse ein, in dem man uns auch gleich wieder erkannte. Bei unserer 2. Reise stand Mui Ne, 200km nördlich von HCMC, mit seinen berühmten Dünen auf unserem Programm. In dem Reisebüro, in dem wir bereits gute Erfahrungen gesammelt hatten, buchten wir noch am gleichen Abend unsere Fahrten (5$ pro Person und Fahrt). Danach ein wenig Bummeln und ein hervorragendes Abendessen und die fantastische Atmosphäre der Stadt genießen. Auch heute kamen wir wieder sofort mit wildfremden Menschen ins Gespräch. Da war zum Beispiel der Kanadier aus Vancouver, der den Shop seiner Frau am Wochenende führen muss. Seine deutschen Wurzeln werden ihn im Sommer nach Deutschland führen. Und wir versprachen beim Abschied uns gegenseitig zu zu winken, wenn er Berlin besucht und bei uns vorbei fährt. Nun aber schnell ins Bett, denn morgen Früh um 7.30 Uhr müssen wir am Treffpunkt sein.

Donnerstag, 25. Februar 2010

Die Landessprache

Es war uns immer wichtig, egal in welches Land wir reisten, ein wenig in der Landessprache zu sprechen. Und wenn man sich gleich ein ganzes Jahr in einem Land aufhält erst recht. Dabei erfährt man automatisch auch mehr über die Menschen, ihre Lebensweise und ihre Beziehungen zueinander. Nebenbei wird jeder Versuch mit Sympathie honoriert und manchmal kommt man ohne Sprachkenntnisse auch gar nicht weiter.
In Kambodscha ist "Khmer" die Amtssprache. Es ist eine sehr alte Schriftsprache, die von einem südindischen Alphabet abgeleitet wurde. Das älteste Schriftdenkmal ist aus dem Jahre 611. Man ordnet sie der austro-asiatischen Sprachfamilie hinzu, wo es mit Mon, das vorwiegend in Niederburma und Thailand gesprochen wird, den Mon-Khmer-Zweig bildet.
Grammatikalisch gesehen, ist Khmer eine leicht zu lernende Sprache. Es gibt keine Beugung, keine Artikel, keine Mehrzahl, keine Zeitform. Die Worte werden einfach nebeneinander gesetzt und auch wenn ihre Reihenfolge die Beziehungen der Wörtzer zueinander bestimmt, versteht jeder was gemeint ist, selbst wenn die Abfolge nicht ganz stimmt.
Für uns war es wichtig, besonders die Höflichkeitsformen von Begrüßung, bedanken und Anrede zu erlernen. Die Begrüßung erfolgt durch Aneinanderlegen der Handflächen etwa in Höhe des Kinns. Der Blick wird dabei nach unten gerichtet. Diese Form der Begrüßung ist sehr offiziell und wird sompiah genannt. Ein Lächeln reicht sicher aus, aber wer dann noch mit "djumriab-sua" - Guten Tag grüßt, wird mit einem freundlichen Lächeln und oft großer Verwunderung belohnt. Bekannte untereinander begrüßen sich ohne sompiah, mit "suasdey" - dem "Hallo" gleich zu setzen. Oft folgt darauf die Frage nach dem Wohlergehen:"sok-sabbay tee?", die mit "djah (Frauen) oder bat (Männer) sok-sabbay tee." beantwortet wird. "Djah" und "bat" bedeuten ja und werden von den Geschlechtern unterschiedlich gebraucht. Nur der König, als einziger Mann sagt auch "djah". Das erklärt sich vorallem aus dem ursprünglich matriarchischem System in Kambodscha. Im Alltag sind davon noch einige Spuren zu finden. So zieht nach der Hochzeit der Mann zur Familie seiner Frau und wichtige Personen, wie der Dorfvorsteher wird mit "mee ..." angesprochen, was Mutter bedeutet.
Das Khmer besitzt ein kompliziertes System von persönlichen Fürwörtern und Anredeformen, bei deren Verwendung die soziale Stellung, das Alter, der Grad der Vertrautheit und vieles mehr eine große Rolle spielt. Am Häufigsten begegnet man der Anrede "bong", was man mit älteres Geschwister übersetzen kann. Im Gegensatz zu Deutschland gilt es in Kambodscha als höflich, seinen Gesprächspartner eher etwas älter zu machen, da Alter mit Respekt verbunden wird. Dabei bedeutet "bong-srey" - Schwester und "bong-proh" - Bruder. Auch andere Verwandschaftsbezeichnungen, ohne das eine reale Verwandschaft besteht, wie, Onkel, Tante, Großvater oder Großmutter sind sehr beliebt. Hingegen Mutter oder Vater werden nur von den eigenen Kindern benutzt. Bei offiziellen Anlässen ist die Anrede Herr/Frau + Nach- und Vorname üblich. In Kambodscha steht der Familienname immer an erster Stelle. Übrigens behalten die Frauen ihren Familiennamen auch nach der Hochzeit, die Kinder bekommen den Namen des Vaters.
Was wir sehr schnell lernen mussten waren die Richtungsbestimmungen. Jeder Tuk-Tuk-Fahrer ist über einen potentiellen Gast so glücklich, dass es für ihn keine Rolle spielt, wo die Fahrt hingehen soll. Mit den englischen Bezeichnungen können nur Wenige etwas anfangen und auch die Nummerierung der Straßen hilft da nicht weiter. Am Besten ist man dran, wenn man in Khmer einen Markt "psar" oder eine Pagode in der Nähe benennen kann. Sicher reichen auch die englischen Begriffe, vorallem, wenn man zusätzlich die entsprechenden Handbewegungen macht. Doch natürlich ist es netter und sicherer, der Fahrer muss sich nicht zu einem umwenden, das ganze auf Khmer zu formulieren. "Bat stam" heißt rechts abbiegen, "bat dchschwejn" - links abbiegen und "doutroung" - geradeaus.
Weiterhin ist es hilfreich die Zahlen zu beherrschen, da auf den Märkten kein Englisch gesprochen wird. Auch hier kann man mit Zettel und Stift operieren, aber preiswerter ist es auf Khmer zu handeln. Ist man beim Zählen bei 5 angelangt, bildet 5 für die Zahlen 6-9 die Grundlage, z.B.: 1 - muy, 2 - pie, 3 - bey, 4 - buhn, 5 - bram, 6 - bram muy, 7 - bram pie usw. Dob ist die Zehn und da man mit Riel im hunderter und tausender Bereich operiert, braucht man noch roy für 100er und poan für 1000er. Wir kaufen gerne frisches Obst oder Gemüse auf den Märkten ein und haben schnell die Erfahrung gemacht, dass Ausländer einen Sonderpreis zahlen, wenn man sich nicht aufs Feilschen versteht. Noch besser ist es Stammkunde zu sein, da einem dann die qualitativ besten Waren rausgesucht werden und 1kg auch wirklich 1000g sind.
Die Wochentage werden immer mit dem Wort für Tag "tknai" eingeleitet und sind nach den Planeten benannt. Bei den Himmelsrichtungen gibt es die Seite-Fuß (Norden) und die Seite-Kopf (Süden), da das die ursprüngliche Richtung ist, in die Kopf bzw Fuß beim Schlafen gerichtet wurden. Wohingegen Osten und Westen sich nach Sonnenauf- bzw untergang richten. Alle Flüssigkeiten sind "trk", wie "trk taä" für Tee oder "trk trey" für Fischsoße. So hat Katrin zum Frühstück statt Tee Fischsoße serviert bekommen. Alkohol ist klarer abgetrennt, das ist "sra".
Schnell läßt ein Tuk-Tuk-Fahrer von einem ab, wenn man sagt:"mien haui", was so viel bedeutet wie - ich habe schon, denn ein einfaches nein - "od-tee" wird nicht akzeptiert. Neinsagen gehört so gar nicht zu den Stärken der Kambodschaner. So antworten sie selbst in Bedrängnis eher mit "ja", obwohl sie der Sache gar nicht zustimmen. Hört man hingegen von einem Verkäufer die Worte "od mien", bedeutet es, das sie den gewünschten Artikel nicht haben. Um der Flut von Plastiktüten zu entkommen, nehmen wir uns zum Einkaufen immer eine Eigene mit und wehren mit "od tröwka" - brauchen nicht, jede weitere Verpackung ab.
Was uns an der Sprache sehr erheitert, ist die "Spielform". Das heißt, wenn man zum Beispiel spazieren geht, dann spielt man gehen - "daa-ling" oder "ongkuy-ling" für sitzen spielen. Und oft werden Worte wiederholt, wie ein bischen - "tägg tägg" oder "dschub dschub" für stopp. Auch das "djah" und das "bat" hört man sehr häufig mehrfach hintereinander gesprochen, was nicht unbedingt einer Zustimmung gleich kommt. Es signalisiert bestenfalls Aufmerksamkeit
Natürlich gehört zu unserem Wortschatz danke "okhuhn", bitteschön antwortet man hier nicht, da reicht ein Lächeln. Im Restaurant freut man sich, wenn man das Essen mit "tschnjang naht" lobt.
Vom französischen Einfluss ist selbstverständlich auch einiges in die Alltagssprache gelangt. Beispiele dafür sind "police", "houtel" oder "telefone". Heute hat Englisch das Französisch als erste Fremdsprache abgelöst. Jeder versucht an einer der vielen gut besuchten Schulen in seiner Freizeit, oft in der 2stündigen Mittagspause, englisch zu lernen. Da es sich hier um Privatschulen handelt, ist jeder Kurs und auch das Kursmaterial zu bezahlen. Neben Englisch sind vor allem die Chinesisch Kurse gefragt. Wirtschaft und Handel sind chinesisch dominiert und wer hier Fuß fassen will sollte Mandarin beherrschen.
Wie in jeder Sprache gibt es auch eine Nonverbale Kommunikation. Wichtig hierbei ist das Heranwinken, besonders eines Tuk-Tuks. Dieses erfolgt mit ausgestrecktem Arm, wobei die Handfläche nach unten zeigt und mit greifender Bewegung das in Khmer als "bak day haw" bezeichnete, mit der Hand winken und rufen ausgeführt wird. Die Tuk-Tuk- und Motodup- (dup bedeutet schleppen) Fahrer machen durch in die Hände klatschen auf sich aufmerksam. Hingegen ist das mit Finger auf jemanden zeigen, besonders wenn der jenige recht nah ist, sehr unhöflich. Man richtet den Blick auf die Person und spitzt den Mund ein wenig und sagt "nih" -hier oder "nuh" -dort. Auch ist es hier nicht üblich Blickkontakt zu halten, was nicht bedeutet, dass man sich nicht anschaut. Ganz im Gegenteil, der Kambodschaner starrt regelrecht aufdringlich. Da zurück Starren nicht als unhöflich angesehen wird, genießen auch wir es Menschen zu "kucken". Im Straßenverkehr ist der für uns so gewohnte Blickkontakt jedoch völlig unbekannt. Unser Eindruck ist, man fährt eher nach dem Motto "Augen zu und durch". Es wird beim Abbiegen weder nach rechts oder links gesehen, im Gegenteil oft wird bewußt weggeschaut.

Wir lernen "Khmer" vorallem auf den Märkten, von den Tuk-Tuk-Fahrern, von Katrins Kollegen oder von Katrins Kindermädchen, die auch sehr gut Englisch spricht. Eine Zeitlang hatten wir eine Lernpatenschaft mit einem jungen Mann, der im Gegenzug gern Deutsch lernen wollte. Am Ende stimmte die Chemie nicht mehr und wir haben es einschlafen lassen. Vielleicht nutzen wir die letzten Monate noch, um mit unserer Freundin Samnang etwas tiefer in die Geheimnisse des Khmer einzutauchen. Doch zur Zeit herrscht hier noch Hochsaison und da sie als Reiseleiterin arbeitet, hat sie noch jede Menge zu tun.

Sonntag, 21. Februar 2010

Hochzeit auf dem Dorf

Wir erhielten erneut eine wundervolle Einladung zu einer Hochzeit, diesmal zur Party am Abend. Ratana, einer von Katrins Mitarbeitern und gleichzeitig fleißiger Kursteilnehmer unserer Deutschstunden heiratet. Es war für uns eine große Ehre, da die Hochzeit nur im kleinen Kreis stattfinden sollte.
Gemeinsam mit den Mitarbeitern der Heinrich Böll Stiftung fuhren wir in einem gemieteten Van in das Dorf, aus dem die Familie der Braut stammt. Schon von Weitem konnten wir die Hochzeitsfeierlichkeiten ausmachen. Die Party im kleinen Kreis umfasste ca. 600 Gäste. Wir wurden an einen Tisch platziert und ein noch in blau gekleideter Bräutigam empfing uns. Es gab Snacks, die durchaus lecker waren, Salat, Ente, Langusten, Fisch und Suppe, also für jeden Geschmack etwas dabei. Zwischendurch hatte das Brautpaar die Farbe gewechselt und war nun lila. Nach dem letzten Farbwechsel zu weiß, das unseren Brautkleidern am Ähnlichsten kommt, fing die eigentliche Party an. Das Brautpaar marschierte mit seinen Trauzeugen unter einem Blumenregen in den Saal, der hier auf dem Dorf ein großes Festzelt war. Danach wurden die Eltern der Braut von beiden mit Früchten gefüttert. Schließlich kam der Moment, wo der Bräutigam die Braut küssen darf und umgekehrt. All das natürlich vor großem Publikum. Sie sahen nicht so aus, als würden sie sich dabei wohl fühlen. Interessant für uns war besonders, wie die Tradition von so modernen Menschen wie Ratana gelebt wird. Er war nicht er selbst, was durch die Bekleidung, die ihm zeitweise einige Nummern zu groß war, noch unterstrichen wurde. Auch war es nicht sein Territorium. Die Braut, die wir nicht kennen, schien sich aber ebenso unbehaglich zu fühlen. Das ist also der schönste Tag im Leben!? Diesen beiden jungen Leuten wünschen wir jedenfalls für die Zukunft jede Menge schönere Tage.Zum Abschluss für uns (für die Anderen begann jetzt erst die eigentliche Party) wurde noch traditionell getanzt, was bedeutet, dass man zum Takt der Musik im Kreis schreitet und dabei auf elegante Art die Hände vor sich dreht.

Freitag, 19. Februar 2010

Steffies erste Kontaktaufnahme mit Nataraj Yoga

Bereits in dem Magazin "Stay another day Cambodia" las ich über Nataraj Yoga und dann später nochmal in der Flugzeugbroschüre. In diesem Yoga Programm beschäftigt man sich hauptsächlich mit Kindern, die misshandelt, geschlagen oder gar vergewaltigt wurden oder unter entsprechenden Risiken leben und unter Trauma leiden. Yoga soll ihnen helfen mit ihrer angestauten Wut, ihren Aggressionen und Ängsten umgehen zu lernen. Sie werden aber auch psychologisch betreut und erhalten Unterricht, besonders Englischlektionen. Jeder, der mich kennt, weiß, dass Yoga zu meinen Leidenschaften zählt. So war also meine Neugierde geweckt.
Vor Ort traf ich auf die Leiterin des Programms und versuchte ihr zu erläutern, dass ich gern helfen würde. Sie befragte mich zu meinen Erfahrungen mit Yoga und lud mich ein an der folgenden Unterrichtsstunde teilzunehmen. Studenten, die hier zu Yogalehrern ausgebildet werden hielten ihren ersten Vortrag auf Englisch über ihre Erfahrungen. Sie waren sehr nervös, sicher auch weil ich als Fremde daran teil hatte. Die erste Zweiergruppe waren junge Mädchen, von denen die Eine bereits als Lehrerin arbeitete und die Andere eines der Mädchen war, die hier Hilfe erhält. Die Lehrerin, vielleicht 20 Jahre alt, übersetzte den Vortrag des anderen Mädchens. Diese beschrieb, dass sie aus sehr armen Verhältnissen kommt und ein Fremder ihren Eltern anbot, dass man sie ausbilden würde, so dass sie einen gut bezahlten Job in Malaysia erhalten würde. In der Hoffnung eines Tages vom Einkommen der Tochter besser leben zu können gaben sie sie mit. Man brachte sie nach Phnom Penh, wo sie mit TAUSEND anderen Mädchen in einem Haus zusammen gepfercht wurde. Sie lernten Englisch und einen Haushalt zu führen und wurden geschlagen, wenn sie dies nicht ausreichend taten. Es war ihnen verboten das Haus zu verlassen. Doch sie konnte Kontakt mit ihren Eltern aufnehmen, die entsetzt von den Verhältnissen waren. Sie wollten sie dort herausholen, doch man verlangte 400$ als Ausgleichszahlung. Einem Onkel von ihr gelang es sie zu befreien und so kam sie in eine Hilfsorganisation und zum Nataraj Yoga. Die junge Lehrerin ergänzte noch, dass es für sie sehr wichtig ist die Geschichte dieser Mädchen zu erfahren. Mit der Auseinandersetzung der Trauma anderer versteht sie auch ihr eigenes Leben besser, denn auch sie kommt aus schwierigen Verhältnissen. Von der anderen Paarung erfuhr ich, dass die Mädchen um studieren zu können sehr hart arbeiten müssen. Wenn die Eltern sehr arm sind, bleibt den Kindern hier nur die Möglichkeit für ihren Lebensunterhalt in den Fabriken arbeiten zu gehen und in Heimen mit anderen Kindern, für die sie sorgen müssen, zusammenzuleben. Die junge Frau, auch so um die 20, versorgte die Mitbewohner mit Frühstück, dann ging sie in die Universität, um danach während der Nachtschicht in einer Fabrik zu arbeiten. Oft war sie so erschöpft, dass sie an ihrem Arbeitsplatz einschlief. Durch das Yogaprogramm hat sie gelernt zu entspannen und Kräfte zu tanken. Die Ausbildung zur Yogatrainerin gibt ihr nun eine weitere Möglichkeit ihr Leben zu gestalten.
Ich hinterließ meine Kontaktdaten und bin gespannt, ob und wie ich unterstützend bei diesem Projekt mithelfen kann.

Donnerstag, 18. Februar 2010

Toby's 40ster Geburtstag

Wie feiert man einen 40. Geburtstag unvergesslich? Vor diese Frage gestellt, hatte Katrin die Idee, eine Überraschungsparty zu organisieren. Außerdem wurden mal schnell alle Geburtstagsgrüße für den Toby umgeleitet auf eine neu eingerichtete Adresse.
Auch wenn Toby immer davon ausgeht, dass auch ein Geburtstag ein ganz normaler Tag ist, musste er sich ganz schön zusammen nehmen, als am Morgen kein einziger Glückwunsch auf seinem e-mail account zu verzeichnen war.Dafür gab es aber einen skype-Kontakt mit der kanadischen Familie, die in großer Runde auf der anderen Seite der Welt zu Ehren von Toby eine Party feierten. Später am Abend in seiner Rede sollte er erwähnen, dass sie normalerweise seinen Geburtstag vergessen.
Der ganze Tag galt der Vorberitung der Feier. Wir besorgten das Essen, Getränke, machten Salat und bastelten an der Zusammenstellung der guten Wünsche, die aus aller Welt eingegangen waren. Tobys kambodschanische Kollegen hielten ihn mit diversen Anfragen und Meetings an seinem Arbeitsplatz gefangen, während sie gleichzeitig den Hof schmückten, für das kambodschanische Essen sorgten und die musikalische Untermalung vorbereiteten.
Dass die Überraschung geglückt war, war nicht zu übersehen. Toby war sehr gerührt und hat sich riesig über all die verschiedenen lieben Grüße und Glückwünsche gefreut.Zu einer Rede aufgefordert, sprach er davon, dass er als Kind immer dachte:"Wow, 40 Jahre, dass ist alt.", jetzt aber eher denkt:"40, das ist noch ganz schön jung."Es war ein gelungener Abend und es kam zu vielen unterschiedlichen Gesprächen. Wir haben viele neue Menschen aus Tobys Freundeskreis kennengelernt und auch "alte" Bekannte wieder getroffen.

Rückreise

Eher überpünktlich kam unser Cyclo, um uns zum Expressboot zu bringen. Der arme Cyclofahrer hatte ganz schön zu kämpfen und Stefan musste sich noch einmal umsetzen, so dass das Gewicht besser verteilt war. Die Cyclos hier sehen wieder ganz anders aus und erinnern eher an Kutschen.
Wir waren die einzigen Fahrgäste auf dem Boot und nur das Gepäck ließ uns ahnen, dass es so nicht bleiben würde. Abfahrtzeit war 8:00 Uhr, doch bereits um 7:30 Uhr legte unser Boot, nur mit uns als einzige Reisende ab. Wir erkundeten unser Fahrgerät und entdeckten das Sonnendeck für uns. Nach einem Tankstopp legten wir an der Chau Doc gegenüberliegenden Insel an. Reisende aus aller Welt gesellten sich zu uns, doch das Boot war am Ende nur halbvoll. Jetzt erst ging die eigentliche Fahrt los und wie wir später erfuhren, brausten wir den Bassac hinauf Richtung Phnom Penh. Die vietnamesische Grenzabfertigung erfolgte auf dem Wasser und wieder ließ sich kein Beamter herab, die Touristen persönlich zu kontrollieren. Man hatte schon im Vorfeld alle Reisepässe eingesammelt. An der Grenzstation hieß man uns aussteigen und in einem größeren Warteraum, diesmal mit Tischen und Stühlen und auch der Möglichkeit eine Erfrischung zu erwerben, harrten wir eine halbe Stunde aus. Ein Teil der Reisenden hatte sich für die billigere Variante mit dem Slowboat entschieden und musste dort zurück bleiben um auf selbiges zu warten (angeglich 2 Stunden). Zurück auf dem Boot wurde die kambodschanische Flagge gehisst. Der kambodschanische Grenzübergang befand sich an Land. Da wir unsere Visa bereits haben, mussten wir nur noch die Einreisepapiere ausfüllen, erhielten unsere Stempel und waren nach ca. 10 min wieder Abreise bereit. Jedoch die anderen Fahrgäste waren Neuankömmlinge und mussten auf die Erteilung ihrer Visa erst noch warten. Obwohl ein Mitreisender kein Passfoto vorweisen konnte, hatte der ernannte Reiseleiter alles problemlos gemanaget und nach ca. weiteren 10 min saßen wir alle wieder im Boot. Es war Mittagszeit und wir erhielten eine leckere Nudelsuppe, die im Reisepreis inklusive war. Alles sah so aus, als ob wir diesmal pünktlich ankommen würden. Doch eine halbe Stunde vor der regulären Ankunftszeit legte unser Boot an. Man packte uns um in einen Minivan und über die kambodschanisch verstopften Straßen legten wir den Rest des Weges zurück. Aus den angekündigten 40 min wurden 1,5 Stunden. Kambodscha, wir sind wieder da!