
Pünktlich um 10.00Uhr stand das Tuk-Tuk abfahrbereit vor dem Hotel. Nach wenigen Metern verlässt man die Stadt und der Ausblick erhält dörflichen Charakter. Alles wirkt sauber und liebevoll gestaltet. Oft erkennt man wunderschöne Vorgärten mit farbenfrohen Blumen. Einige davon wachsen auch in unseren Gärten, wie Gladiolen oder Hibiskus. Rundherum ist es grün, Reis, Palmen...

Unser erster Stopp galt der Kultur. Auf dem Prasat Banan findet sich ein alter Khmertempel, den man über 300 Stufen erreicht.

Auffallend fanden wir, dass wir hier fast die einzigen Ausländer waren. Auch lebt es hier und man findet Blumen, Kakteen und Schmetterlinge.





Die Tempel hatte nicht nur der Zahn der Zeit zerstört, sondern auch die roten Khmer, die bis in die späten 90iger die Umgebung von Battamban als Rückzugsgebiet verteidigten. Immerhin konnten sie die Edelsteinquellen um Pailin ausbeuten. Der ehemalige Bürgermeister Ieng Sary wartet mittlerweile im Gefängnis auf den Beginn seines Prozesses vor dem ECCC. Hier sahen wir auch noch Schilder, die zur Waffenabgabe aufforderten.
Unser nächster Halt war eine echte Überraschung, da wir bei der Vorstellung der Tour nur die Hälfte verstanden hatten. Marie verdrehte schon die Augen, als wir auf das Gelände ge fiel uns ein Karussell, das einem Kettenkarussell glich, aber hier ritten die Kinder auf Mopeds.

Für uns sah die ganze Konstruktion nicht sehr vertrauenswürdig aus. Und jedes Gefährt wurde natürlich auf typisch kambodschanische Art überladen.
Unser Ausflugsziel war keinesfalls das Wat, auch nicht der Rummel, sondern ein Baum in dem hunderte Fliegende Hunde hingen.

Beeindruckend, auch die Geräusche, die sie machen. Auf unsere Frage, warum sie gerade diesen Ort gewählt haben, wurde uns erklärt, dass sie hier von den Mönchen geschützt werden.
Auf das Töten eines Fliegenden Hundes steht eine Geldstrafe von 25$. Kann die nicht beglichen werden, muss man 3 Monate ins Gefängnis. So beeindruckend die Tiere für uns sind, sicher haben sie nicht nur Freunde. Bedenkt man, dass sich diese Säugetiere von Früchten ernähren, wie Papaya oder Bananen muss man nicht lange nach Gegnern suchen. Der Weg weiter führte durch viel Grün, Plantagen und auch einzelne Häuser, die im dichten Wald versteckt waren. An einer Brücke, die tatsächlich der Golden Gate Bridge ähnlich sieht, kam unser Gefährt etwas unfreiwillig zum stehen.

Viel Gebastel und schließlich eine Flasche Benzin aus der einige Schritte entfernten "Tankstelle" brachten den Motor dazu weiterzuarbeiten.

Die Zeit überbrückten wir mit der Erkundung der Umgebung und natürlich netten und diesmal erstaunlich offenen politischen Gesprächen mit der einheimischen Bevölkerung. Da kam doch viel Verärgerung über die langen zerstörerischen Kämpfe der Roten Khmer und die gegewärtige Grenzpolitik mit Thailand und Vietnam zum Ausdruck.
Letzter Stopp war der Bamboo-Train. In Ermangelung von Zügen, der Einzige fährt in Schrittgeschwindigkeit von Phom Penh nach Battanbang in 15 Stunden, aber einem vorhandenen Schienennetz kamen unsere einfallsreichen Khmer auf die Idee sich mit selbstgebastelten "Wagen" fortzubewegen und vor allem Waren zu transportieren. Alles begann mit langen Bambusstangen, mit denen man sich abstieß, daher der Name Bamboo-Train. Heute wird das Gefährt mit einem Bootsmotor angetrieben. Alles läßt sich in wenigen Sekunden auseinander bauen. Das ist auch notwendig, da die Strecke eingleisig ist, aber durchaus Gegenverkehr existiert. Und immerhin fährt jeden Tag ein Zug nach oder von Phnom Penh und es gibt viele von diesen Gefährten. Der Train wurde vor unseren Augen zusammengebaut.

Allerdings übertreiben wir hier. Zwei Achsen auf die Schiene gelegt, darüber ein Holzgestell gesteckt, der Motor über eine Öffnung geschoben, der Keilriemen über die Motorwelle gelegt und - natürlich wunderschöne Bastteppiche auf dem Bambusgestell ausgebreitet.

Wir nahmen "erster" Klasse Platz, der Motor wurde aufgetankt,

angeworfen

und los ging die Fahrt. Das nenne ich Eisenbahnfahren pur. Ungefähr 30cm über den Schienen, die nie gewartet auseinander driften und zentimeterweise Bruchstücke fehlen.

Ein Glück, dass die kolonialen Franzosen Eisenschwellen benutzt haben. Holz wäre mit Sicherheit nicht mehr vorhanden. Das mir noch bekannte "Dum-Dum" der Reichsbahn im Ohr, kam uns diese Fahrt so vor gleichzeitig in einer Achterbahn und Geisterbahn zu sitzen und dabei die Landschaft bewundern zu können. Die Schienen krumm die Brücken baufällig und notdürftig geflickt, gleichzeitig aber eine atemberaubende Geschwindigkeit - alles weit weg von Airbag, Sicherheitsgurt und Knautschzone. Letzteres braucht man aber nicht wirklich.

Das entgegenkommende Gefährt sieht man schon von weitem, alle richten ihre Fahrtgeschindigkeit darauf ein. Spannend ist allerdings die Frage, wer baut ab und wer darf weiterfahren?

Ganz einfach, es wird gezählt. Da der entgegenkommende "Zug" mehr Menschen und auch noch Waren hatte, mussten wir unseren Wagen abbauen und dahinter wieder aufbauen. Danach ging die Fahrt für beide bis zum nächten Hindernis weiter.
Geschätzte 15min später sind wir im nächsten Dorf eingefahren. Hier war eine Erfrischungspause eingeplant, bevor es wieder zurück ging. Wir entdeckten allerdings erstmal die Ziegelei mit ihren altertümlichen Brennöfen.

Schnell war der Kontakt zur Betreiberin hergestellt und wir erhielten eine private Führung.

In einem Ofen fanden bis zu 10.000 Ziegel Platz, die unter Verwendung der Spreu vom Reis als Brennmaterial gebrannt werden. Die Ziegel werden stranggepresst und mit Draht auf Maß geschnitten. Neben den technischen Details wurden persönliche Informationen getauscht, wie Alter (sie war 45)und Anzahl der Kinder (sie hat 7, 4 Jungs und 3 Mädchen). Ihre 12jährige Tochter, die gut einen Kopf kleiner als Marie war begleitete uns und beschenkte uns mit von ihr selbstgebastelten Ringen.

Zum Abschied gab es auch noch Blümchen.
Auf der Rückfahrt hatten wir unseren train nicht mehr für uns allein. Einige Dorfbewohner, davon hatte ein junger Mann schon etlichen Reiswein oder Bier oder was auch immer zu sich genommen, nutzen unseren Wagen, um nach Battambang zu reisen. Schon nach wenigen 100m gab es Gegenverkehr. Diesmal machte man sich nicht die Mühe abzubauen, sondern ließ sich vom entgegenkommenden Bambus-Train wieder zurück in den Bahnhof schieben. Dort wurde der andere "Zug" abgebaut und wir konnten die Fahrt ein weiteres Mal beginnen. Die führte dann mit nur einer Unterbrechung, bei der wir aber mehr waren, zurück zum "Ausgangsbahnhof".
Ein rundum toller Tag, der uns jede Menge Spaß gemacht hat. Der Starkregen, den wir am Abend von unserem Restaurant auf der Dachterasse des Hotels aus beobachten konnten, machte uns bewußt, welch großes Glück wir mit dem Wetter hatten.
Am nächsten Vormittag grasten wir nach einem leckeren Frühstück die umliegenden Märkte ab.

Dann war es Zeit die Sachen zu packen und auszuchecken. Zu unserer großen Überraschung schenkte man uns zum Abschied 3 verschiedenfarbige Schals.
Battambang verließen wir mit einer anderen Busgesellschaft und zu einem fast doppelt so hohem Preis. Begründung für den Preisanstieg war die hohe Nachfrage, da auf Grund der endenden Feiertage sehr viele wieder die Heimreise antraten. Trotz zweier Pannen kamen wir fast pünktlich, nach 5 1/2 Stunden in Phnom Penh an.
1 Kommentar:
Die Idee mit den Vidios fand ich ganz toll, es ist als ob man es selbst erlebt hat.
Herzlich Eure Mutti
Kommentar veröffentlichen