Montag, 21. Dezember 2009

Siem Reap

Unsere nächste Station war Siem Reap. Von hier aus kann man das berühmte Angkor Wat besuchen. Da es nur eine Fluggesellschaft gibt, die ihre Monopolstellung weidlich ausnutzt, entschlossen wir uns für den Landweg. Wir fanden einen netten englisch sprechenden Taxifahrer, der bereit war zu unseren Preisvorstellungen (2500 Bath = 50€) bis zur Grenze zu fahren. Das hört sich jetzt schön einfach an, aber wir hatten diverse Fehlversuche. Entweder der Fahrer verstand kein Wort, oder die Preise, die die Reiseunternehmen forderten, waren exorbitant; bis hin zum Doppelten. An sich ist es natürlich eine unsichere Sache, wird der Fahrer auch wirklich am vereinbarten Treffpunkt sein und auch zur richtigen Zeit? Er rief uns am Vortag an und sprach alles noch einmal durch, sicher für ihn auch ein gutes Gefühl, dass das Geschäft wirklich stattfindet. Während der Fahrt erfuhren wir von unserem Fahrer eine Menge über sein alltägliches Leben. Da es in Asien keine unhöflichen Fragen gibt, konnten wir uns ungezwungen über alles unterhalten. Das Taxi teilen sich mindestens 2 Personen, so dass es rund um die Uhr in Betrieb ist. An einem normalen Arbeitstag verdient er ca. 1500 Bath. Seine Kinder gehen an eine Privatschule, er hat 3 Mädchen. In den staatlichen Schulen sitzen mindestens 50 Kinder in einer Klasse, was den Lernerfolg nicht wirklich unterstützt. Da möchten wir auch nicht gern Lehrer sein. Er kannte auch die Stellen, an denen die Geschwindigkeit kontrolliert wird, was im Ernstfall 500 Bath kostet. Nach 3 Stunden Fahrt und einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 120 km/h auf super ausgebauten Straßen kamen wir auf diese Weise auch noch nett unterhalten in Aranyaprathet, was so viel heißt wie das bessere Poipet (die Grenzstadt auf kambodschanischer Seite) sicher an und wurden auch bis nahe an die Grenze gefahren, was nicht immer selbstverständlich sein soll.
Gut vorbereitet durch die Erfahrungsberichte anderer Reisender im Internet, konnten wir relaxed mit den angeblichen Konsulatsmitarbeitern umgehen, die uns natürlich sofort beim Visakauf behilflich sein wollten. Trotz ihres lauten Lamentierens und der Drohung, dass wir sowieso wieder zu ihnen zurück kommen müssen, oder dass es an der kambodschanischen Grenze einen ganzen Tag dauert ein Visum on arrival zu erhalten, gingen wir nach dem Ausfüllen der Einreisepapiere einfach weiter. Das ist auch absolut zu empfehlen, denn die anderen Reisenden wurden dort mächtig abgezockt. Über 30$ kostet ihr Service und ein Busticket nach Siem Reap wird für ca 18$ angeboten.
Völlig problemlos kamen wir durch die Grenzabfertigung auf thailändischer Seite. Die Ausstellung eines Visums für Max dauerte 10min und kostete die offiziellen 20$. Sicher versuchte der Grenzbeamte auch noch 200 Bath (fast 7$) für sich als Schmiergeld zu erhalten. Wir boten ihm die Kambodschanische Landeswährung, Riel, an. Nachdem er darauf verzichtete, ging es auch ganz ohne Schmiergelder. Auch auf unserem letzten Weg zur kambodschanischen Grenzkontrolle wurden wir begleitet und ganz nebenbei ein Taxi zu unseren Preisvorstellungen nach Siem Reap angeboten. Einziger Haken, sie wollten das Geld vor Antritt der Fahrt. Für uns unakzeptabel, also hinein ins Abenteuer des selbst organisierens. Ein Gratisshuttelbus brachte uns durch die Casinowelt auf der kambodschanischen Seite (Glücksspiel ist in Thailand verboten) nach Poipet zum Busbahnhof. Hier standen sie auch, die Taxis. Der Preis war schnell verhandelt, aber eine Abfahrtsreihenfolge hinderte unseren anvisierten Vertragspartner am losfahren. Sein Freund, der zufällig an erster Stelle stand sollte für ihn einspringen und wieder war wenigstens die Hälfte des Geldes vorher zu zahlen. Wir waren doch nicht gerade den kleinen Gaunern entflohen, um uns in die Hände der nächsten zu begeben. Wir drehten ab und schickten uns an das Gelände zu verlassen. Siehe da, schon lief uns ein anderer Fahrer nach, um uns zu unseren Bedingungen sicher in 2,5 Stunden nach Siem Reap vor die Tür unseres Guesthouses zu bringen. Im Mitri wurden wir schon freudig erwartet, mit Handgruß, was als besondere Ehrerbietung in Kamboddscha gilt, begrüßt und nach dem Beziehen unserer einfachen Zimmer stärkten wir uns mit leckeren gebratenen Nudeln aus der "Guesthouse-eigenen" Küche.
Den Abschluss des Tages bildete der schon obligatorische Besuch von Angkor Wat. Die TukTukfahrer waren wie immer sehr gierig und darauf bedacht noch mehr Geschäfte mit uns zu machen, nur leider sind wir schon zu sehr mit allem vertraut, sodass einem unser Fahrer eigentlich nur leid tun kann. Aber er fuhr zu unserem Preis und auch mit dem Wissen, dass es das einzige Mal war. Mit dem Kauf des Tickets für den nächsten Tag kann man ab 17.00 Uhr bereits am Vortag den Sonnenuntergang in den Tempeln genießen. Wir waren erstaunt, dass viel weniger Besucher anzutreffen waren, als bei unseren letzten Besuchen. Dabei ist jetzt Hauptsaison. Auch ließ man uns in aller Ruhe das architektonische Wunderwerk betrachten, ohne dass bereits ab 17.30 Uhr die Wachmannschaft alle Touristen wieder raustreibt. Mittlerweile ist der gesamte Tempel durch Holzpfade und Treppen gesichert, so dass unsere Füße dem Jahrhunderte alten Sandstein nicht mehr gefährlich werden konnten. Ein Aufstieg ins Zentrum ist immer noch nicht möglich. Max war stark beeindruckt von den Kunstfertigkeiten und natürlich auch von den geschäftstüchtigen Kindern. Ein Mädel, wir schätzten sie so auf 12 Jahre, hatte sich an ihm festgebissen und bot ihm Armbänder und Postkarten an, alles "only one Dollar". Natürlich kannte sie die deutsche Hauptstadt und konnte ihn fragen "Wie geht es dir?". Auch als Max beteuerte, dass er nichts braucht blieb sie hartnäckig, hier die deutsche Übersetzung des kleinen Verkaufsgespräches.
Mädchen: "Du brauchst einen Armreifen für deine Freundin"
Max: "Ich habe keine Freundin"
Mädchen. "Dann für deine Frau"
Max: "Ich habe auch keine Frau"
Mädchen: "Und weißt du warum?"
Max: "Weil ich nicht bei dir kaufe?"
Mädchen: "Genau"
5 Minuten später
Steffie: "Max, du kannst auch morgen noch kaufen."
Mädchen: "Du wolltest gerade bei mir kaufen und nur weil deine Mutti nein sagt, kaufst du jetzt nicht."
Max: "Und was machst du, wenn deine Mutti nein sagt?"
Mädchen: "Ok. Du kannst gehen."

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Hallo Stefan und Familie,
wir haben 5 Zentimeter Schnee, morgen eventuell Glatteis und Weihnachten steht vor der Tür.
Ich wünsche Euch allen viele nette Stunden in Familie und Gesundheit bis zum Treffen in Potsdam.
Andrea