Dienstag, 29. September 2009

Seeing Hands

Heute war sie mal wieder dran, die Massage. Eigentlich wollte ich mir eine pro Monat gönnen. Als erstes erhält man eine Hose und ein Oberteil. Beides erinnert mich immer an Krankenhaus, auch wenn die Sachen blau sind und das Oberteil rundum geschlossen ist. Bei dieser Art von Massage wird nicht die nackte Haut massiert. Wie der Name schon suggeriert, sind es Blinde, die diese Tätigkeit ausüben. Man kann dann noch wählen, ob mit Klimaanlage, 1 oder 2 Stunden und die Stärke. Ich entschied mich gegen die aircon, für eine Stunde und stark. Traditionell legt man sich auf eine Massageliege, Kopf nach unten. Schon seine ersten Handgriffe ließen meine alten Knochen knacken und ich fragte mich, was zum Teufel mich geritten hat "strong" zu wählen. Diese Art der Massage kommt eher einer Akkupressur gleich und sie sind absolut treffsicher. Die meisten Punkte bescherten mir eine Gänsehaut doch einige waren echt schmerzhaft. Der Masseur fängt am Kopf an, auch da wird ein Tuch benutzt, so dass keine direkt Berührung statt findet. Als nächstes gibt es ganz fiese Punkte im Schulterbereich. Dann sind die Arme bis zu den Fingerspitzen dran. Am Rücken hat er sich lange an meiner Wirbelsäule aufgehalten, um dann über den Po beide Beine bis zu den Zehenspitzen durchzukneten. Ich taumelte zwischen Gänsehaut, Genuss und Schmerz hin und her. Nach einer Stunde schwebte ich von der Liege. Jeder Muskel und Jeder Knochen saßen nun wieder an Ort und Stelle und nebenbei hat er noch alle Energiebahnen freigelegt.

Freitag, 25. September 2009

Nationalmuseum

Endlich haben wir es geschafft und das Nationalmuseum, dass direkt bei uns in der Straße liegt besichtigt. Allein schon der Eingangsbereich ist sehenswert. Fantastisch bepflanzt, unter anderem mit großen Fächerpalmen und liebevoll gestaltet mit alten und neueren Skulpturen. Darunter ein lebensecht wirkender Elefantenkopf, der derart in die Bepflanzung integriert wurde, dass man das Gefühl bekommt er bricht eben durch das Blätterwerk.
Im Inneren wird man geradezu erschlagen von der Vielzahl an Statuen und Plastiken. Das war einer der Gründe, warum ich mich bei meinem letzten Besuch 2003 hier eher gelangweilt hatte. Nach all unseren Reisen und dem was wir gelesen haben, konnte ich jetzt vieles besser einordnen. Es ist einfach unglaublich, wenn man eine Skulptur vor sich hat, deren um die Hüften geschwungenes Tuch in lebendigen Falten fällt und dann liest, dass der Steinmetz sie im 6. Jahrhundert erschaffen hat. Und das war nicht das älteste Ausstellungsstück. Filigrane Tierfiguren aus einer Zeit vor Christus gehörten mit zu den ältesten Exponaten. Manches mal hätte ich mir mehr Informationen gewünscht, zum Beispiel zu Ritualen, Bräuchen und auch zur Religion. Die Khmer waren ein sehr hochentwickeltes Kulturvolk. Allerdings kommen mir manchmal Zweifel ob der direkten Abstammung der heutigen Khmer, besonders wenn ich an Restaurants vorbeigehe, in denen die Gäste ihre Servietten, Knochen und Essensreste auf dem Boden entsorgt haben. Oder der Müll auf die Straße geworfen wird und die nächste Mauer zum Pissoire wird. Ein Erbe der Khmer Rouge???
Augenfällig sind die Parallelen zu Deutschland. Karten die zeigen, dass Kambodscha bestimmt 4mal so groß war, gehören auch hier zur Geschichte. Eine öffentliche Meinung wurde uns in Battambang durch den Forstarbeiter an der Golden Gate Bridge kundgetan, der sich über den Landdiebstahl durch die Nachbarländer ausließ. Solche Stimmen hört man auch noch in unserer Heimat, wenn sie auch langsam aussterben.

Samstag, 19. September 2009

Tagestour durch das Hinterland von Battambang


Pünktlich um 10.00Uhr stand das Tuk-Tuk abfahrbereit vor dem Hotel. Nach wenigen Metern verlässt man die Stadt und der Ausblick erhält dörflichen Charakter. Alles wirkt sauber und liebevoll gestaltet. Oft erkennt man wunderschöne Vorgärten mit farbenfrohen Blumen. Einige davon wachsen auch in unseren Gärten, wie Gladiolen oder Hibiskus. Rundherum ist es grün, Reis, Palmen...Unser erster Stopp galt der Kultur. Auf dem Prasat Banan findet sich ein alter Khmertempel, den man über 300 Stufen erreicht. Auffallend fanden wir, dass wir hier fast die einzigen Ausländer waren. Auch lebt es hier und man findet Blumen, Kakteen und Schmetterlinge.
Die Tempel hatte nicht nur der Zahn der Zeit zerstört, sondern auch die roten Khmer, die bis in die späten 90iger die Umgebung von Battamban als Rückzugsgebiet verteidigten. Immerhin konnten sie die Edelsteinquellen um Pailin ausbeuten. Der ehemalige Bürgermeister Ieng Sary wartet mittlerweile im Gefängnis auf den Beginn seines Prozesses vor dem ECCC. Hier sahen wir auch noch Schilder, die zur Waffenabgabe aufforderten.
Unser nächster Halt war eine echte Überraschung, da wir bei der Vorstellung der Tour nur die Hälfte verstanden hatten. Marie verdrehte schon die Augen, als wir auf das Gelände ge fiel uns ein Karussell, das einem Kettenkarussell glich, aber hier ritten die Kinder auf Mopeds. Für uns sah die ganze Konstruktion nicht sehr vertrauenswürdig aus. Und jedes Gefährt wurde natürlich auf typisch kambodschanische Art überladen.
Unser Ausflugsziel war keinesfalls das Wat, auch nicht der Rummel, sondern ein Baum in dem hunderte Fliegende Hunde hingen. Beeindruckend, auch die Geräusche, die sie machen. Auf unsere Frage, warum sie gerade diesen Ort gewählt haben, wurde uns erklärt, dass sie hier von den Mönchen geschützt werden. Auf das Töten eines Fliegenden Hundes steht eine Geldstrafe von 25$. Kann die nicht beglichen werden, muss man 3 Monate ins Gefängnis. So beeindruckend die Tiere für uns sind, sicher haben sie nicht nur Freunde. Bedenkt man, dass sich diese Säugetiere von Früchten ernähren, wie Papaya oder Bananen muss man nicht lange nach Gegnern suchen. Der Weg weiter führte durch viel Grün, Plantagen und auch einzelne Häuser, die im dichten Wald versteckt waren. An einer Brücke, die tatsächlich der Golden Gate Bridge ähnlich sieht, kam unser Gefährt etwas unfreiwillig zum stehen. Viel Gebastel und schließlich eine Flasche Benzin aus der einige Schritte entfernten "Tankstelle" brachten den Motor dazu weiterzuarbeiten. Die Zeit überbrückten wir mit der Erkundung der Umgebung und natürlich netten und diesmal erstaunlich offenen politischen Gesprächen mit der einheimischen Bevölkerung. Da kam doch viel Verärgerung über die langen zerstörerischen Kämpfe der Roten Khmer und die gegewärtige Grenzpolitik mit Thailand und Vietnam zum Ausdruck.
Letzter Stopp war der Bamboo-Train. In Ermangelung von Zügen, der Einzige fährt in Schrittgeschwindigkeit von Phom Penh nach Battanbang in 15 Stunden, aber einem vorhandenen Schienennetz kamen unsere einfallsreichen Khmer auf die Idee sich mit selbstgebastelten "Wagen" fortzubewegen und vor allem Waren zu transportieren. Alles begann mit langen Bambusstangen, mit denen man sich abstieß, daher der Name Bamboo-Train. Heute wird das Gefährt mit einem Bootsmotor angetrieben. Alles läßt sich in wenigen Sekunden auseinander bauen. Das ist auch notwendig, da die Strecke eingleisig ist, aber durchaus Gegenverkehr existiert. Und immerhin fährt jeden Tag ein Zug nach oder von Phnom Penh und es gibt viele von diesen Gefährten. Der Train wurde vor unseren Augen zusammengebaut. Allerdings übertreiben wir hier. Zwei Achsen auf die Schiene gelegt, darüber ein Holzgestell gesteckt, der Motor über eine Öffnung geschoben, der Keilriemen über die Motorwelle gelegt und - natürlich wunderschöne Bastteppiche auf dem Bambusgestell ausgebreitet. Wir nahmen "erster" Klasse Platz, der Motor wurde aufgetankt, angeworfen und los ging die Fahrt. Das nenne ich Eisenbahnfahren pur. Ungefähr 30cm über den Schienen, die nie gewartet auseinander driften und zentimeterweise Bruchstücke fehlen. Ein Glück, dass die kolonialen Franzosen Eisenschwellen benutzt haben. Holz wäre mit Sicherheit nicht mehr vorhanden. Das mir noch bekannte "Dum-Dum" der Reichsbahn im Ohr, kam uns diese Fahrt so vor gleichzeitig in einer Achterbahn und Geisterbahn zu sitzen und dabei die Landschaft bewundern zu können. Die Schienen krumm die Brücken baufällig und notdürftig geflickt, gleichzeitig aber eine atemberaubende Geschwindigkeit - alles weit weg von Airbag, Sicherheitsgurt und Knautschzone. Letzteres braucht man aber nicht wirklich. Das entgegenkommende Gefährt sieht man schon von weitem, alle richten ihre Fahrtgeschindigkeit darauf ein. Spannend ist allerdings die Frage, wer baut ab und wer darf weiterfahren? Ganz einfach, es wird gezählt. Da der entgegenkommende "Zug" mehr Menschen und auch noch Waren hatte, mussten wir unseren Wagen abbauen und dahinter wieder aufbauen. Danach ging die Fahrt für beide bis zum nächten Hindernis weiter.
Geschätzte 15min später sind wir im nächsten Dorf eingefahren. Hier war eine Erfrischungspause eingeplant, bevor es wieder zurück ging. Wir entdeckten allerdings erstmal die Ziegelei mit ihren altertümlichen Brennöfen. Schnell war der Kontakt zur Betreiberin hergestellt und wir erhielten eine private Führung. In einem Ofen fanden bis zu 10.000 Ziegel Platz, die unter Verwendung der Spreu vom Reis als Brennmaterial gebrannt werden. Die Ziegel werden stranggepresst und mit Draht auf Maß geschnitten. Neben den technischen Details wurden persönliche Informationen getauscht, wie Alter (sie war 45)und Anzahl der Kinder (sie hat 7, 4 Jungs und 3 Mädchen). Ihre 12jährige Tochter, die gut einen Kopf kleiner als Marie war begleitete uns und beschenkte uns mit von ihr selbstgebastelten Ringen. Zum Abschied gab es auch noch Blümchen.
Auf der Rückfahrt hatten wir unseren train nicht mehr für uns allein. Einige Dorfbewohner, davon hatte ein junger Mann schon etlichen Reiswein oder Bier oder was auch immer zu sich genommen, nutzen unseren Wagen, um nach Battambang zu reisen. Schon nach wenigen 100m gab es Gegenverkehr. Diesmal machte man sich nicht die Mühe abzubauen, sondern ließ sich vom entgegenkommenden Bambus-Train wieder zurück in den Bahnhof schieben. Dort wurde der andere "Zug" abgebaut und wir konnten die Fahrt ein weiteres Mal beginnen. Die führte dann mit nur einer Unterbrechung, bei der wir aber mehr waren, zurück zum "Ausgangsbahnhof".
Ein rundum toller Tag, der uns jede Menge Spaß gemacht hat. Der Starkregen, den wir am Abend von unserem Restaurant auf der Dachterasse des Hotels aus beobachten konnten, machte uns bewußt, welch großes Glück wir mit dem Wetter hatten.

Am nächsten Vormittag grasten wir nach einem leckeren Frühstück die umliegenden Märkte ab. Dann war es Zeit die Sachen zu packen und auszuchecken. Zu unserer großen Überraschung schenkte man uns zum Abschied 3 verschiedenfarbige Schals.
Battambang verließen wir mit einer anderen Busgesellschaft und zu einem fast doppelt so hohem Preis. Begründung für den Preisanstieg war die hohe Nachfrage, da auf Grund der endenden Feiertage sehr viele wieder die Heimreise antraten. Trotz zweier Pannen kamen wir fast pünktlich, nach 5 1/2 Stunden in Phnom Penh an.

Freitag, 18. September 2009

Battambang

Hier feiert man das Fest Pchum Ben und das bedeutet für uns verlängertes Wochenende, da Marie am Freitag schulfrei hat. Pchum Ben ist das Fest der Verstorbenen in dem deren Seelen ihre Angehörigen in 7 verschiedenen Pagoden aufsuchen und in große Trauer verfallen, wenn sie keine Gaben vorfinden. Ganz schöner Stress für die armen Khmer, müssen sie doch in so vielen Pagoden wie möglich (da sie nicht wissen in welche Pagoden die Seelen einkehren) ihr Essen bringen, das von den Mönchen gesegnet wird.
Somit machten wir uns mit einem öffentlichen Bus nach Battambang auf. Normalerweise braucht der Bus auf den gut ausgebauten Straßen 5 Stunden. Wir standen jedoch schon fast 2 Stunden im Stau, bis wir aus Phnom Penh raus waren.
Außer uns saßen noch 4 andere Ausländer im Bus, die sich aber nach dem Mittagsstopp um 2 reduzierten. Die beiden Amerikaner gingen davon aus im Bus nach Hoh Chi Minh zu sitzen und waren schockiert, als wir ihnen mitteilen mussten, dass sie die falsche Himmelsrichtung gewählt haben. Sie glaubten, es reichte aus, den Bus zu nehmen, der zur angegebenen Abfahrtszeit Phnom Penh verließ. Na gut, dem Bus waren auch nicht wirklich irgendwelche Informationen, außer der Abfahrtszeit zu entnehmen. Das Personal war mit dem Ansturm und erst recht mit der englischen Sprache überfordert. Nun gut kurz hinter Kompong Chhnang ereilten sie diese "bad news". Der Fahrer organisierte für sie eine Rückfahrmöglichkeit nach Phnom Penh, aber auf diese sollten die beiden an dieser Stelle im Nirgendwo warten. Der Fahrer wirkte sehr überzeugend, nahm sie einfach bei der Hand und führte sie ins Restaurant. Ich hoffe sie sitzen da nicht noch heute.
So um 4.00Uhr erreichten wir Battambang um auch gleich wieder auf dem Weg nach Palin zu sein. Doch auf Anfrage des anderen Pärchens, drehte der Bus mitten auf der Straße um und brachte uns zum Kreisverkehr, der zumindestens ein Richtungsschild "Zentrum" aufwies. Jetzt standen wir also irgendwo in Battambang, einer Stadt mit 300.000 Einwohnern, von denen die wir trafen keiner englisch sprach und schon gar keine Karte lesen konnte. Also mussten wir auf unser Khmer-Wissen zurück greifen und nach dem "Psah Nat", dem großen Markt fragen. Der Motoduppreis sollte 2000 Riel betragen und die Richtungsangabe stimmte mit Schild und dem Sonnenstand überein, es konnte also nicht weit sein. So liefen wir ins Ungewisse, aber nach einer weiteren Hilfe fanden wir den Markt und ein sehr gut geführtes sauberes und nettes Hotel, das Royal, Zimmer mit Fan und Sonnenutergangsbalkon für 10$/Nacht, so wie es sich für einen Kurzurlaub gehört. Auf unserem ersten Streifzug durch das Stadtzentrum bestärkte sich unser erster Eindruck, dass sich Battambang auf angenehme Weise stark von Phnom Penh unterscheidet. Die Straßen sind hier viel sauberer, alles sehr gepflegt, keine nervigen Tuk-Tuk-Fahrer, kaum Bettler und auch der Markt ist super sauber und gefliest. Marie würde noch ergänzen: hier gibt es die schönsten Sachen und total billig. Endlich auch mal passende Schuhe. Wir nehmen an, dass letzteres der Nähe zu Thailands Grenze geschuldet ist.
Noch am gleichen Abend arrangierten wir unseren Sonnabendfamilienausflug mit einem netten Tuk-Tuk-Fahrer, der ausgezeichnet englisch spricht und ein super hohes und großes Tuk-Tuk fährt. Aus den verschiedenen Angeboten wählten wir uns das Rundumpaket: Kultur, Natur und Abenteuer. 60km, 4-6 Stunden, 18$.
Und so entstehen die Geschichten, die ihr hier lest.

Dienstag, 15. September 2009

2. Geburtstag


Heute gedenken wir Maries Schutzengel, der sie vor einem Jahr vor Schlimmerem bewahrt hat. Eine "Opfergabe" ist dieses zauberhafte Kästchen.Man muss schon ganz genau hinsehen, um herauszufinden was es verbirgt und welchem Zweck es dient. Es besteht aus einem Holzrahmen, einer Marmorplatte in die viele Ying und Yang aus Perlmut und Kupfer eingelegt wurden und 2 Schubkästchen, die handgefertigte Figuren aus Marmor enthalten. Wenn man alle Figuren, die schwarzen und die weißen entnommen hat und sie auf ihre Plätze gestellt hat, kann man mit dem Schachspiel beginnen.
Den Abend verbringen wir gerade in Marys Restaurant bei uns um die Ecke. Noch sind wir über unsere Computer gebeugt, aber sobald unsere Pizza kommt werden wir den Abend nur noch genießen und bei kühlen Getränken ausklingen lassen.

Pets

Auf Wunsch einer einzelnen Dame und nach zähen Verhandlungen, haben wir uns Haustiere zugelegt. Und wie man es ja schon von uns gewöhnt ist nicht etwa nur eins, nein gleich 6 schillernde Fische schwimmen in unserem "Aquarium" auf dem Balkon.
Stefan meint es sind Guppis und 3 Pärchen. Es macht Spaß sie zu füttern, da das Futter am Anfang noch zu groß für die kleinen Mäuler wie ein Ball von ihnen vor sich her gestoßen wird. Manchmal nehmen sie es in den Mund, um es im nächsten Moment wieder auszuspucken.

Schuhergebnis


Die Schuhe sind fertig und sehen super aus. Sie mussten noch ein wenig geweitet werden, aber das hat man sofort erledigt. Leider fangen die Lederbändchen etwas zu weit vorn an, so dass wir auch hier noch eine Veränderung vornehmen lassen.