Anlass für diese Feierlichkeiten ist die Umkehrung der Fließrichtung des Flusses Tonle Sap, der hier in Phnom Penh in den Mekong mündet. In der Regenzeit führt der Mekong so viel Wasser, dass er in den Tonle Sap drückt und dieser sich dann in den Tonle Sap See ergießt. Dadurch vergrößert sich die Fläche des Sees fast um das Siebenfache. Mit dem Ende der Regenzeit kehrt sich das Ganze um. Der Mekong führt immer weniger Wasser und so kann sich der Tonle Sap See über den Tonle Sap Fluss entleeren. Noch vor wenigen Wochen, als wir auf dem Mekong schipperten, konnten wir beobachten, dass der Tonle Sap nach Norden fließt. Heute fließt er nach Süden.
Die Flüsse und der Tonle Sap See sind die Lebensgrundlage der kambodschanischen Bauern, ist doch Dank der Überflutungen die Region äußerst fruchtbar. So bedankt man sich mit diesem Fest auch beim Gott des Wassers und der Erde. Gleichzeitig beginnt im Land die Reisernte, die wichtigste Ernte überhaupt, die über Tod oder Leben entscheiden kann.
Im Mittelpunkt des Wasserfestes stehen die Drachenbootrennen, die ihren Ursprung in der Angkor-Periode haben sollen. Es existiert die Theorie, dass sie mit den Schlachten zwischen Khmer und Cham (malaysischen Ursprungs also auch Moslems, bewohnten sie hauptsächlich die Küstenregion des heutigen Vietnams) auf dem Tonle Sap in Verbindung stehen.
Zu den 3 Tage andauernden Rennen sind aus allen Provinzen Bootfahrer mit ihren Booten angereist. Sie kommen zum Teil auf den Flüssen nach Phnom Penh und schlafen auf den Booten. Es wird hier als große Ehre angesehen, an diesen Rennen teilnehmen zu dürfen. Vor einigen Jahren ist auch ein Foreignerboot mit Katrin an Bord an den Start gegangen. Sie hatten große Schwierigkeiten ein gegnerisches Boot aufzutreiben, da sie für niemanden eine ernsthafte Konkurrenz darstellten. Ihr Boot erreichte gerade so die Ziellinie, um dann auf Grund des hinein geschöpften Wassers unterzugehen. Die Besatzung musste von Bord.
Dieses Jahr sind 374 Drachenboote am Start.
Auch dieses Jahr kam nicht jedes Boot ins Ziel und so mancher Wettkämpfer machte mit dem Tonle Sap nasse Bekanntschaft.
Wir schauten jedenfalls gebannt bei jedem untergehenden Boot auf die heraneilenden Rettungsboote und beobachteten, ob sie auch alle aus dem Wasser fischten. Wir konnten auch den Zusammenstoß zweier Boote beobachten, die in voller Fahrt das an einer Boje befestigte Ziellinien-Boot rammten. Das Seil riss und das Boot trieb extrem schnell davon.
Am letzten Tag findet das Finale statt. Am Ende ehrt der König höchst persönlich die Sieger. Leider machte uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Regenguss und starker Wind, wahrscheinlich der Ausläufer eines weiteren Typhoons, beendeten vorzeitig unsere Teilnahme. Wir konnten gerade noch die Ankunft des Königs beobachten. Pitschenass kämpften wir uns durch die Massen, die auf bunten Bastmatten direkt am Straßenrand "wohnen", wenn sie nicht bei Verwandten unterkommen konnten und die Hunderten von Händlern, die am letzten Tag noch unbedingt ihre Waren an den Mann bringen müssen. Für die Händler ist es dieses Jahr besonders schwierig, weil sie nicht am Flussufer verkaufen dürfen. Wahrscheinlich passen sie nicht in das neue Bild, welches das Tourismusministerium von Phnom Penh prägen möchte. "Clean City, Clean Resort, Good Service" so der diesjährige Slogan, was natürlich ein Witz angesichts der Müllprobleme der Stadt ist und viele Ausländer amüsiert. In der Zeitung kann man lesen, dass so manche Händlerin alle ihre Ersparnisse in Waren umgesetzt hat und nun besorgt ist, sich noch nicht einmal das Rückfahrticket in ihr Dorf leisten zu können.
An jedem der 3 Tage zogen nach Einbruch der Dunkelheit Schiffe mit einer bis zu 10m hohen Fassade, die aus Bildern mit bunten Glühbirnen besteht, in einer beeindruckenden Prozession den Tonle Sap auf und ab.
Wir haben uns für diesen Event einen besonders schönen Platz in einem noblen Restaurant direkt am Fluss reserviert.
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